Was denn nun? Paleo, Vegan, Clean Eating, Flexitarisch, Veggie – ein kleiner Tour-Guide durch die Foodie-Welt.

Ich hab‘ sie alle probiert. Ob Paleo, vegan, Clean Eating, Low Carb, flexitarisch, vegetarisch, Fast Food & Co. – in den letzten 36 Jahren war jede dieser Ernährungsformen wenigstens für eine gewisse Zeit der Star in meiner Küche. Warum? Weil ich es wissen wollte!

Zunächst einmal wollte ich wissen: Was gibt’s denn heute Mittag zu Essen? Das war nach der Schule, wenn meine Mama für uns gekocht hatte, zunächst meine einzige Frage. Aufgewachsen mit bio-dynamischer Vollwertkost hatte meine Reise durch die Foodie-Welt also einen ziemlich gesunden Start.

Und was kam dann? Klar! Die Foodie-Rebellion. Kaum war ich zwecks Studium aus- und in die Studenten-WG-Küche eingezogen, tourte ich durch die Welt des Fast Foods, von Tiefkühlpizza bis Fondor und Fix, Burger, Heißwasser-Kartoffelbreipulver & Co. war alles dabei, was die Convenience-Welt und Fast-Food-Ketten zu bieten hatten. Hat unheimlich Spaß gemacht und – ganz ehrlich – es hat mir sogar geschmeckt. Aber so wirklich gut getan hat es mir nicht, auf lange Sicht. Ein paar Jahre später, Studium vorbei und mitten im Stress des Berufslebens, streikte irgendwann meine Verdauung. Eine charmante Lebensmittelunverträglichkeit jagte die nächste, begleitet von herzallerliebsten Allergien, die alle im Kanon sangen: Hör auf mit dem Quatsch! Okay, dachte ich mir und ließ mich überzeugen, meine Foodie-Reiseroute etwas zu ändern.

Auf diese Reise nehm‘ ich euch kurz mit: Paleo, vegan, Clean Eating, Low Carb, flexitarisch – ich habe sie alle durchprobiert. Denn jetzt wollte ich es wirklich wissen: Welche ist denn nun die richtige Ernährungsform?

 

PALEO

So funktioniert’s.

Die Paleo-Ernährung setzt auf Lebensmittel, auf die der menschliche Körper seit der Steinzeit spezialisiert ist. Getreide, Hülsenfrüchte, viele Milchprodukte und industriell hergestellter Zucker sind vom Speiseplan gestrichen. Statt dessen verzehren Paleo-Anhänger Nahrungsmittel, die gut verdaulich sind und vom Körper optimal verwertet werden können, wie Gemüse, Fleisch, Fisch, Eier, Nüsse, Pilze und Kräuter.

Do’s & Dont’s.

Immer gut: Gemüse, Fleisch aus grasgefütterter Weidetierhaltung, Fisch, Meeresfrüchte, Eier, Nüsse, Kerne, Samen, Pilze, Kräuter, gut verwertbare Fette und Öle (z.B. Olivenöl, Kokosöl, Avocadoöl, Ghee, Butter)

In Maßen: Obst (frisch oder getrocknet), Beeren, Ahornsirup, Kakao, Honig, Salz, Kaffee

Besser nicht: Getreide, Hülsenfrüchte inklusive Soja, Kartoffeln, Milchprodukte (außer Ghee & Butter), Zucker, Stärke, industriell stark verarbeitete Produkte sowie Zusatzstoffe, Alkohol

 

VEGAN

So funktioniert’s.

Veganer verzichten aus ethischen oder gesundheitlichen Gründen auf alle Lebensmittel tierischen Ursprungs. Neben Fleisch, Fisch, Eiern und Milchprodukten gilt dies auch für Zutaten wie Honig und Gelatine. Um eine ausreichende Eiweißversorgung zu gewährleisten, stehen u.a. Hülsenfrüchte, wie Soja, und Getreide auf dem Speiseplan. Mangelerscheinungen (u.a. Vitamin B12) kann durch Nahrungsergänzungsmittel entgegengewirkt werden.

Do’s & Dont’s.

Erlaubt: Gemüse, Früchte, Getreide, Hülsenfrüchte, Nüsse, Kerne, Samen, Pilze, Kräuter, pflanzliche Fette und Öle (z.B. Olivenöl, Sonnenblumenöl, Rapsöl, Kokosöl), Zucker, Kakao, Kaffee, Salz, vegan hergestellter Alkohol sowie alle weiteren Produkte und Zusatzstoffe pflanzlichen Ursprungs

Nicht erlaubt: Fleisch, Fisch, Meeresfrüchte, Eier, Milchprodukte, Gelatine, Honig sowie alle Zusatzstoffe tierischen Ursprungs

 

CLEAN EATING

So funktioniert’s.

Fans des ‘reinen Essens’ verzehren nur natürliche, ursprüngliche Lebensmittel. Künstliche Konservierungs-, Aroma-, Farb- und Süßstoffe sowie industriell stark verarbeitete Fette, Öle und Zusatzstoffe sind tabu. Lebensmittel mit bis zu 5 naturbelassenen Inhaltsstoffen sind beim Einkauf im Supermarkt noch erlaubt, der Fokus liegt aber auf naturbelassenen Zutaten, die in der eigenen Küche verarbeitet werden.

Do’s & Dont’s.

Immer gut: Gemüse, Früchte, Getreide, Hülsenfrüchte, Fleisch, Fisch, Meeresfrüchte, Milch, Eier, Nüsse, Kerne, Samen, Pilze, Kräuter, naturbelassene Fette und Öle

In Maßen: naturbelassene Milchprodukte, Kaffee

Besser nicht: Industriell stark verarbeitete Produkte sowie jedwede künstliche Zusatzstoffe

 

LOW CARB

So funktioniert’s.

Im Rahmen der Low-Carb-Ernährung wird auf Kohlenhydrate weitestgehend verzichtet. Vom Speiseplan gestrichen sind Getreide, Hülsenfrüchte, Kartoffeln und Zucker. Der Verzehr von Obst und des darin enthaltenen natürlichen Zuckers ist in Maßen erlaubt, ebenso wie leicht stärkehaltiges Gemüse mit langkettigen, langsam verstoffwechselbaren Kohlenhydraten, wie Kürbis, Pastinake und in Maßen Süßkartoffel. Darüber hinaus gelten keine Einschränkungen.

Do’s & Dont’s.

Immer gut: Gemüse, Fleisch, Fisch, Meeresfrüchte, Milch und Milchprdukte, Eier, Nüsse, Kerne, Samen, Pilze, Kräuter, Fette und Öle, Kakao, Kaffee

In Maßen: Obst, Beeren, leicht stärkehaltiges Gemüse

Besser nicht: Getreide, Hülsenfrüchte, Kartoffeln, Zucker, Sirup, Honig

 

FLEXITARISCH

So funktioniert’s.

Flexitarier picken sich gerne aus jeder Ernährungsform das Beste heraus. Wie es der Name bereits sagt, wird flexibel entschieden, was auf den Teller kommt. Mal vegetarisch, mal vegan, an einigen Tagen auch mal mit Fleisch oder Fisch in guter Bio-Qualität. Gerne unter Beachtung der Clean Eating Kriterien, regional, saisonal und manchmal auch Low-Carb. Denn jede Ernährungsform hat ihre Vorteile, warum also nicht gleich alle nutzen?

Do’s & Dont’s.

Immer gut: Nachhaltig, regional, saisonal, ökologisch. Ansonsten bleiben Flexitarier erfrischend undogmatisch.

 

Und auf welcher Ernährungsform bin ich auf meiner Reise hängen geblieben? Auf allen. Denn die eine richtige Ernährungsform gibt es für mich nicht. Alle haben ihre Vor- und Nachteile und das Kind in mir hat sich doch nur die Vorteile gewünscht! Ja, warum denn nicht? Die gute Nachricht ist: Erstaunlicherweise lassen sich alle Ernährungsformen tatsächlich ganz hervorragend flexitarisch miteinander kombinieren. Denn je näher ich mich mit den Do’s & Dont’s auseinandergesetzt habe, desto mehr Schnittmengen fand ich zwischen den Ernährungsformen, deren Kombination nur ein wenig Fantasie erfordert.

So geht es nicht nur mir, sondern auch vielen anderen. ‚Peganer‘ beispielsweise wählen aus der Paleo-& der veganen Ernährung das Beste, verzichten auf umstrittene Sojaprodukte, ergänzen aber ihren Speiseplan ab und an durch glutenfreies Getreide, um den lebensnotwendigen Eiweißbedarf zu decken.

Ich koche, wie es mir mein Bauch gerade sagt – ganz flexitarisch – quer durch alle Ernährungsformen und gönne mir, neben meiner veganen Paleo-Ernährung, ganz bewusst auch ab und zu gutes Fleisch, Eier und Milchprodukte aus Bio-Haltung sowie Fisch aus nachhaltigem Wildfang. Womit mein Eiweißbedarf und die Versorgung mit Vitamin B12 & Co. ausreichend gedeckt sind. Mal Low Carb, mal auch mit glutenfreiem Vollwert-Getreide, womit ich immer mal wieder zur biologisch-dynamischen Vollwertküche meiner Mama zurückkehre, wo alles seinen Anfang nahm.

Probiert es aus. Ich wünsche euch eine gute Foodie-Reise!

 

 

6 Gedanken zu “Was denn nun? Paleo, Vegan, Clean Eating, Flexitarisch, Veggie – ein kleiner Tour-Guide durch die Foodie-Welt.

  1. christiankollitsch schreibt:

    Hey,
    super Artikel: Nicht zu lang, informativ und übersichtlich. ich selber bin Paleo-Blogger, vertrete aber auch einen eher liberalen Umgang damit. Für mich steht eindeutig der Lifestyle, das „Warum“ im Vordergrund. Die Diät flexibel anzupassen in bestimmten Situationen finde ich grundsätzlich richtig. Allerdings gibt es eben auch große Unterschiede zwischen Paleo und Vegan, gerade was die Auswahl der Fette und das Thema Getreide angeht. Vom Fleischkonsum mal abgesehen. Rein von der gesundheitlichen Seite sehe ich da paleo im Vorteil, von der ethisch-moralischen Seite dann vielleicht sogar vegan. Interessant aber beides in Einklang bringen zu wollen…
    Viele Grüße
    Christian

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    • Karina schreibt:

      Hey Christian,
      ich danke dir! Ja, das stimmt, Paleo und vegan haben viele Unterschiede und ähneln sich gleichzeitig an vielen Stellen doch. Die Quelle der Eiweißzufuhr (Fleisch und Eier vs. Getreide und Hülsenfrüchte) sowie die Auswahl der Fette sind wesentliche Unterschiede – der gemeinsame Verzicht auf Milchprodukte und eine Fokussierung auf Gemüse vereint die beiden Ernährungsformen wieder. Mit einem flexitarischen Ansatz gelingt es sehr gut, beides zu vereinen – ich ernähre mich mehrere Tage die Woche pegan (paleo-vegan ohne Hülsenfrüchte und Getreide) und an 2-3 Tagen mit Fleisch aus Paleo-konformer Tierhaltung, Fisch und Bio-Eiern. Damit bleibt die Ernährung ausgewogen und ich kann die Vorteile von allen nutzen 🙂 Liebe Grüße, Karina

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