Genuss-Reise für Glücklich-Esser: Karlsbad – ein wiederentdecktes Juwel

[Bloggerreise, Werbung wegen Markennennung und Verlinkung] Karlsbad hatte ich ursprünglich nicht ganz oben auf meiner Agenda für Genuss-Reisen, ihr? So kann man sich irren! Ich habe mich regelrecht in diese Stadt verliebt.

Eher zufällig bin ich beim Blättern in Reiseannoncen auf Karlovy Vary, wie Karlsbad auf Tschechisch heißt, gestoßen – und war wie magisch angezogen von einer Abbildung der beeindruckenden Heilwasser-Kolonnaden. Es entstanden sofort Bilder in meinem Kopf: Von alten Zeiten, in denen Erholungssuchende gemütlich die Kolonnaden entlang flanierend Heilwasser schlürften.

Kennt ihr das? Wenn man solche Bilder im Kopf hat, werden sie in der Realität selten erfüllt. In Karlsbad war das Gegenteil der Fall: Diese Stadt ist so traumhaft schön, dass man es sich gar nicht schön genug ausmalen kann.

MühlbrunnenkolonnadeCollage

Aber seht selbst: Ich nehme euch mit auf eine Genuss-Reise in meine neue Städteliebe, Karlovy Vary. Ich bin der Einladung des bezaubernden Jugendstilhotels Astoria direkt an der Mühlbrunnenkolonnade gefolgt – der Kolonnade, die mich auf der Abbildung in der Reiseannonce dieser Reise auf die Spur gebracht hat.

Genussreisen (1)

Bevor es losgeht, verrate ich euch, worauf ich in meiner Rubrik „Genuss-Reisen“ besonders achte:

  • Authentizität: Auch wenn es sich um Bloggerreisen handelt, auf die ich für meine Recherchen ganz oder teilweise eingeladen werde, hat eine authentische Berichterstattung für mich immer oberste Priorität. Ihr werdet daher immer zuverlässige Hinweise darauf finden, für welche Foodies & Genuss-Reisenden das Angebot geeignet ist – und für welche nicht. Schließlich sollt ihr euch wohl fühlen, wenn ihr beschließt, die Reise gegebenenfalls selbst einmal auszuprobieren.
  • Vielfältigkeit: Die Foodie-Welt ist so vielseitig, wie die Reiseangebote, die Genussreisenden gemacht werden. Als Flexitarier habe ich die Möglichkeit, auf verschiedenste Angebote und die passenden Ernährungsformen einzugehen und für euch direkt vor Ort zu recherchieren, wer mit welchem Reiseangebot glücklich wird. Der Fokus liegt dabei auf den Ernährungsformen, die auch Basis meines Blogs sind: Flexitarisch, vegetarisch, vegan, Paleo, LowCarb sowie regional und saisonal. Ergänzend recherchiere ich auch für euch, welche Möglichkeiten Foodies mit Unverträglichkeiten gegeben sind.
  • 360°-Genuss: Genuss besteht für mich nicht nur aus gutem Essen. Rundum glücklich wird man auf Reisen erst, wenn man sich gut aufgehoben fühlt. Das beginnt bei der Unterkunft, der direkten Umgebung des Urlaubsdomizils und der Freundlichkeit der Menschen, die einem begegnen und führt sich fort in den Angeboten, die vor Ort gemacht werden.

Die Hotspots in Karlsbad

Als ich meine Reise vorbereitete war ich erstaunt, dass sich kein aktueller Reiseführer ausschließlich über Karlsbad auf dem deutschen Markt finden lässt. Über Tschechien, Westböhmen und das Bäderdreieck ja, aber nicht über Karlsbad als individuelle Stadt. Als Erfurterin bin ich da ganz andere Größenordnungen gewöhnt, hier reiht sich ein Erfurt-Reiseführer an den nächsten, wenn ich schätze, dass es an die 20 sind, habe ich die reale Zahl sicher unterboten. Warum also nicht für Karlsbad?

Meine einzig denkbare Erklärung: Weil Karlsbad ein in Vergessenheit geratenes Juwel ist. Während viele nach dem neuesten Wellnesshotel mit dem größten Spa-Bereich und allerlei Raffinessen Ausschau halten und andere für Städtereisen die angesagtesten Metropolen wählen, haben viele die traditionellen Kurorte nicht mehr präsent. Dabei ist Karlsbad bereits seit dem 19. Jahrhundert ein beliebter Kurort für Erholungssuchende und gehört zu den traditionsreichsten Kurorten der Welt.

Wer mich kennt, weiß, dass ich die Ausstrahlung historisch gewachsener und über Jahrzehnte mit Lebendigkeit erfüllter und dadurch erhalten gebliebener Dinge liebe – seien es Bauwerke, Wohnhäuser, Einrichtungen, Utensilien oder Traditionen: Sie alle versprühen einen ganz besonderen Zauber vergangener Tage, die es bis in unsere modernen Zeiten geschafft haben, da sie gewertschätzt, erhalten und genutzt werden. In der Karlsbader Innenstadt atmet man an jeder Ecke den Charme der vergangenen Jahrhunderte und ist trotzdem mitten drin, im modernen, pulsierenden Leben, mit allen Annehmlichkeiten, die man sich wünschen kann.

Kolonnaden und Quellen

Das Heilwasser

Alles rankt sich um das berühmte Karlsbader Heilwasser. Schon seit dem 14. Jahrhundert ist die Heilwirkung des Karlsbader Thermalwassers bekannt, das sich in Tiefen von ca. 2500 Metern unter der Erdoberfläche befindet und mit einer Temperatur von teilweise über 60 °C aus insgesamt 15 Quellen an die Erdoberfläche schießt. Erst wurden die Quellen für Bäder genutzt, seit dem 16. Jahrhundert auch für Trinkkuren. Bereits 1522 erschien die erste wissenschaftliche Abhandlung über die Wirkung des Heilwassers und wurde unter anderem vom Balneologen Joseph von Löschner im 19. Jahrhundert noch weiter vertieft. Jede der Quellen ist etwas anders, da sie sich in Temperatur und Menge des darin enthaltenen Kohlendioxids unterscheiden – und damit auch etwas unterschiedliche Wirkung haben.

Was genau drin ist? So viel konnte ich herausfinden: „Die Karlsbader Quellen beinhalten die Mehrheit der Elemente des Periodensystems, gewöhnlich werden über 40, für den menschlichen Organismus notwendige Elemente analysiert.“ Klingt auf jeden Fall gut.

Auffällig war während unseres ganzen Aufenthaltes, dass keine einzige Mücke die Sommerurlaubsfreuden störte – und das obwohl wir direkt am langsam vor sich hinplätschernden Fluß Teplá wohnten. Ich frage mich, ob die Quellen auch die Luft in irgendeiner Form anreichern oder ionisieren und mir diese erholsamen Sommernächte ohne lästiges Summen bescherten. Ich konnte dazu aber nichts finden. Wenn ihr etwas dazu wisst, schreibt mir gerne mal.

Für Foodies besonders interessant:

Das Heilwasser soll einen sehr positiven Effekt auf das ganze Verdauungssystem haben und unterstützt die Reinigung des Organismus.

Auch wenn es eine offizielle Anleitung gibt – die sogenannten 10 Gebote der Trinkkur – habe ich beobachtet, dass die meisten Touristen hier und da spontan in kleinen Mengen Heilwasser schlürfen, um es einfach mal ausprobiert und Freude daran zu haben. Hierfür stehen an jeder Ecke kleine Buden bereit, die bereits für umgerechnet 4,- bis 9,- Euro die traditionellen Trinkgefäße anbieten, mit denen es wirklich großen Spaß macht, sich seinen ganz eigenen kleinen Schluck Heilwasser zu zapfen: Porzellantassen, die wie Schnabeltassen so geformt sind, dass der Henkel der Tasse als eine Art Strohalm genutzt werden kann, aus dem das Heilwasser geschlürft wird. Ich halte sonst von Souvenirkäufen sehr wenig, aber diese Tasse hat uns wirklich den ganzen Urlaub über begleitet und wird uns immer an die Karlsbader Quellen erinnern:

Die Trinkkur

Wenn ihr Interesse habt, könnt ihr es natürlich auch ganz professionell angehen und lasst euch eine ärztlich begleitete, systematische Trinkkur verschreiben. Diese soll beispielsweise gegen Krankheitsbilder wie Reflux, Reizdarm, Morbus Chron oder unspezifische Darmentzündungen und auch viele Stoffwechselstörungen helfen. Näheres dazu erfahrt ihr hier.

Die Kolonnaden

Im Stadtzentrum reiht sich eine Kolonnade in kleinen Abständen an die nächste, die um die jeweiligen Quellen herum gebaut wurden. Sie laden zum Flanieren ein und sollen seit jeher den bedachten Konsum des Heilwassers unterstützen, indem sie einen angenehmen Ort zum Spazieren und Ausruhen zwischen dem Wasser-Schlürfen bieten.

Und das in einer wirklich beeindruckenden Atmosphäre, in der es sogar Daueraktiven wie mir leicht fällt, mal für einen Moment zur Ruhe zu kommen. Die folgenden Kolonnaden sind alle wirklich nur einen Steinwurf voneinander entfernt und lassen sich auf einem angenehmen Spaziergang alle erkunden, ohne große Strecken zurücklegen zu müssen. Jede der Kolonnaden hat ihren ganz eigenen Baustil, da sie in unterschiedlichen Epochen – von 1865 bis 1975 – und von verschiedenen internationalen Architekten geplant und umgesetzt wurden. Sie alle versprühenden den Charme, den ich an Karlsbad so liebe – bis auf eine: Die aktuell wegen Sanierung geschlossene Sprudelkolonnade und ich, wir wurden nicht wirklich warm. Aber ich bin auch kein großer Fan der Betonbauten der 70er-Jahre, die für mich so gar nicht in Einklang zu bringen sind, mit der filigranen und immer bezaubernd schönen Architektur der vergangenen Jahrhunderte.

Die Details zu allen Kolonnaden findet ihr hier, einen schönen visuellen Eindruck der Kolonnaden, die ich persönlich entlangflaniert bin, vermittelt euch meine kleine Fotogalerie:

Tipp: Ein ganz besonderes Highlight für alle, die den Ursprung der Quellen etwas genauer erforschen wollen, ist die Führung „Unter dem Sprudel“.

Wer gerne gratis einen Blick in die unterirdischen Gänge, die das Heilwasser entlangfließt, werfen möchte, für den habe ich sogar einen kleinen extra Geheimtipp: Während wir kurz Rast machten, fiel mir neben der Marktkolonnade auf, dass durch ein vergittertes Fenster Dampf aufsteigt. Neugierig, wie ich bin, habe ich das stockdunkle Innere einfach mal blind abfotografiert und wurde dafür mit diesem geheimen Einblick in die unterirdischen Gänge belohnt:

Die Kirchen

Direkt neben der Sprudelkolonnade findet ihr die Kirche St. Maria Magdalena, die 2010 zum nationalen Kulturdenkmal ausgerufen wurde und nicht nur auf Grund ihrer schönen Architektur und dem üppig verzierten Barockinventar aus dem 18. Jahrhundert einen Besuch wert ist, sondern auch wegen der Konzerte, die dort regelmäßig stattfinden.

Etwas versteckter, in der höher gelegenen, ruhigen Villengegend der Stadt, ist die russisch-orthodoxe Kirche St. Peter & Paul mit ihren beeindruckenden goldenen Türmen. Obwohl ich wusste, dass wir ganz in der Nähe der Kirche entlang spazieren, war es ein überraschender Moment, als plötzlich inmitten der Villen und Bäume die glänzenden Türme der Kirche herausragten. Es war die erste russisch-orthodoxe Kirche, die ich bisher besucht habe, ihr Innenleben ist ganz anders, als ich es aus anderen Kirchen kenne, auf eine angenehme Art und Weise schon fast wohnlich mit so vielen Details eingerichtet, dass man gar nicht weiß, wo man zuerst hinsehen soll.

St. Maria Magdalena und St. Peter & Paul

Unser zentraler Dreh- & Angelpunkt – das Astoria Hotel & Medical Spa

Das zauberhafte Jugendstilhotel Astoria Hotel & Medical Spa war wirklich ein Glücksgriff. Es vereint alles, was mir persönlich für einen gelungenen Urlaub wichtig ist:

Es ist authentisch und landestypisch, verströmt gleichzeitig traditionell tschechischen und modern-globalen Charme und das zu einem sehr guten Preis-Leistungs-Verhältnis. Unmittelbar an der Mühlbrunnenkolonnade gelegen waren wir wirklich inmitten des Geschehens. Die fünf pastellfarbenen Häuser des Hotels liegen direkt am Fluss Teplá vis a vis zu den Quellen und sind im Inneren mit Treppenhäusern und Fahrstühlen und einem Lichtgang mit Galerie miteinander verbunden. Große Freude machten mir die verschlungenen Wege des Hotels über halbe Etagen hinweg, die an jeder Ecke ein anderes kleines Jugendstilhighlight bereit hielten.

Die Zimmer

Wir wohnten im frisch renovierten Haupthaus und ich würde euch definitiv empfehlen, die wenigen Euro Aufpreis am Tag für ein Zimmer mit Kolonnadenblick im Haupthaus zu investieren, es lohnt sich. Ich habe noch nie einen Städteurlaub mit einem solch fantastischen Ausblick erlebt und hätte Stunden auf unserem Zimmerbalkon verbringen können, wenn es nicht zu viel zu erleben gegeben hätte. Aber seht einfach selbst:

Was ihr im Hintergrund hört, ist übrigens der Orginalton des Videos. Nachmittags erwartete uns jeden Tag ein beeindruckendes Konzert. Mehr dazu erfahrt ihr hier sowie weiter unten in meinem Kapitel „Ausflüge“ und in meiner Insta-Story.

Die renovierten Zimmer sind mit viel Fingerspitzengefühl und Liebe zum Detail eingerichtet, Die Möbel, Stoffe und Farben harmonieren perfekt miteinander und schaffen es, modernen Komfort und technische Raffinessen, wie ein stabiles WLAN, mit dem Jugendstilambiente des Hotels zu vereinen. Ich bin, was Einrichtung angeht, sehr kritisch und ‚erfühle‘ immer und überall als Erstes das „Ch’i“, das meiner Meinung nach durch den Raum schwebt. Das klingt vielleicht Feng-Shui-esoterischer als es ist: Im Grunde beschreibt es nur das Wohlgefühl, das eine gelungene und stimmige Einrichtung bewirken kann, wenn ein Dekorateur – oder heißt das heutzutage Interior-Designer? –  seinen Job richtig gut gemacht hat. Und das „Ch’i“ in diesem Zimmer war richtig gut.

Das Essen

Das Herzstück einer jeden Foodie-Reise: Das Essen. Für Foodies mit besonderen Ansprüchen immer eine große Herausforderung bei der Reiseplanung. Ich bin bei dieser Reise ein wenig ins kalte Wasser gesprungen – und kann euch berichten: Ich war begeistert. Und das nicht nur von der malerischen Kulisse des Restaurants mit Blick auf die Mühlbrunnenkolonnade.

Im Haupthaus wurden nicht nur die Zimmer renoviert, auch das Buffet und die Küche wurden rundum erneuert und strahlen sowohl von der Ausstattung als auch von der Qualität und Auswahl des Essens in neuem Glanz. Ihr dürft natürlich keine Sterneküche erwarten – aber dafür ein grandioses Preis-Leistungsverhältnis, das vielen Ansprüchen gerecht wird.

Vom Flexitarier bis LowCarber und Paleo-Fan erwartet euch zum Frühstück und zum Abendessen eine große, täglich wechselnde Auswahl. Vegetarier finden – neben Salaten, Gemüse, Käseplatten und Obst, immer eine vegetarische Hauptgericht-Option – gut ausgeschildert, damit die Gäste sich zu großen Teilen selbst orientieren können. Vegan zu essen wäre möglich, allerdings mit Einschränkungen verbunden. Gästen mit Unverträglichkeiten steht ergänzend zur Beschilderung eine hoteleigene Diätberaterin zur Seite, die genau Auskunft geben kann, welche Komponenten beispielsweise für eine glutenfreie Ernährung geeignet sind.

Das Frühstücksbuffet umfasst Cerealien, Nüsse, Kerne, getrocknetes und frisches Obst & Beeren, Käse- und Wurstvariationen, Butter, Milch, Orangen- und Apfelsaft, Kaffee Creme oder klassischen Kaffee, Marmeladen, Schokoladenaufstriche, Honig, Griesbrei, Porridge (auch als glutenfreien Buchweizen-Porridge), verschiedene Brötchen und Brote – ergänzt durch eine kleine glutenfreie Auswahl an Reis- und Mais-Knusperbrot – Ei in täglich wechselnden Variationen von Spiegelei bis Omlett und Rührei, gebratenem Speck, Schinken und Würstchen, Salat, Gurken und Tomaten, Joghurt, Frischkäse und variierenden selbstgemachten Aufstrichen:

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Das Abendbuffet bot täglich wechselnde Beilagen, die unterschiedlich variierte Kartoffel-, Reis-, oder Nudel-Beilagen umfassten – sowie häufig, als weitere glutenfreie Option, gedämpften Buchweizen. Wechselndes gebratenes und gedünstetes frisches Gemüse, ergänzt durch bunte, sehr frische Rohkostsalate waren für mich immer die wichtigste Basis meiner Hauptgerichte, zu der ich zwischen Fisch, Geflügel, Rind oder Schwein in ebenfalls täglich wechselnden Variationen wählen konnte. Zum Dessert gab es für mich immer eine kleine Käseplatte ergänzt durch frisches Obst – es gab aber auch klassische Desserts, wie Kuchen, Cremes, Gelees oder Pudding.

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Zeit für Tee

Trinken wird in Karlsbad zelebriert und ist tatsächlich ungemein wichtig für einen erholsamen Kur-Urlaub. Daher bietet das Astoria den Service eines Tee-Raumes an, in dem täglich zwischen 11 und 20 Uhr insgesamt 28 wechselnde hochwertige Teesorten, von Darjeeling, bis Roibusch, Jasmintee oder Chai, in den Samowars für die Gäste kostenfrei bereit stehen.

Kuranwendungen & Spa

Kein Kur-Urlaub ohne Kuranwendungen. Im meinem gebuchten Hotel-Paket waren 3 Kuranwendungen gleich inklusive – für ein Hineinschnuppern in traditionelle Karlsbader Anwendungen perfekt:

Tag 1: Eine der besten Teilkörper-Massagen, die ich je hatte, kräftig und trotzdem angenehm.

Tag 2: Hydrojet-Massage mit rauschend massierenden Wasserstrählen (wohlgemerkt unter der grauen Plane, man wird also nicht nass) auf einer Art Wasserbett, ein sehr spaßiges Elebnis.

Tag 3: Perlbad mit sprudelndem original Karlsbader Thermalwasser.

Im hoteleigenen Pool mit kleiner angeschlossenen 95°C-Sauna haben wir den Tag jeden Abend ausklingen lassen. Neue Umkleiden, Schließfächer und Handtücher für die Gäste stehen bereit, man kann also ohne viel mitzunehmen, direkt vom Zimmer zum Schwimmbad. In einem Punkt merkt man den Unterschied zwischen Wellness- und Kurhotel: Es gibt hier im Pool- und Sauna-Bereich keinen Ruheraum oder Liegen – dafür hat man als Gast aber die Möglichkeit, sich nach dem Schwimmen, Saunieren und Duschen auf dem eigenen Zimmer auszuruhen.

Die Menschen

Die Menschen in Karlsbad sind so vielfältig, wie das Kurangebot der Stadt.

Das Hotelpersonal war durchweg zauberhaft, sehr freundlich und hilfsbereit. Allerdings sollte man als deutschsprachiger Tourist wissen, dass Karlsbad vor allem von russischen Gästen besucht wird, die übrigens auch wesentlich dazu beigetragen haben, dass Karlsbad in den vergangenen Jahrzehnten so gut erhalten geblieben ist, gefördert und saniert wurde, um den angenehmen Standard zu ermöglichen, der Gäste heute dort erwartet. So spricht das Personal im Frühstücks-und Abendbuffetservice nahezu ausschließlich tschechisch und russisch, was der Freundlichkeit mangels Sprachkenntnisse aber nicht schadete: Bereits ein Lächeln und eine kleine Geste reichten zur Verständigung meist aus, ansonsten hatte ich immer mein Handy mit Online-Translator griffbereit, das ich euch wärmstens ans Herz legen kann. An der Rezeption sprach man wahlweise hervorragend Deutsch oder Englisch und auch die sehr hilfsbereiten Portiers konnten mit Deutsch dienen.

Unter den Gästen fiel mir vor allem Eines auf: Touristen aus Deutschland lächeln hier mit Abstand am meisten. Hingegen scheint es unter den anderen Gästen erstaunlich unüblich zu sein – lediglich drei sehr freundliche russische Damen, die wohlgemerkt zur Zeit in Deutschland bzw. in Amerika leben, erwiderten mein Lächeln und das Strahlen meiner beiden Kids. Höflich und Zuvorkommend waren dennoch alle.

In der Stadt findet man unter den „Locals“ eine bunte Mischung cosmopoliter junger Leute, die gesprächig sind und der englischen Sprache mächtig – und eher zurückhaltender Menschen, von denen viele ausschließlich tschechisch und russisch sprechen. Also lohnt es sich auch hier, einen Handy-Online-Translator immer zur Hand zu haben, wenn man sich gerne verständigen möchte.

Unsere Ausflüge

Aussichtsturm Diana & Spaziergänge

„Wer nicht auf dem Aussichtsturm Diana war, hat Karlsbad nicht gesehen“, ist ein berühmtes Karlsbader Zitat. Das Beste daran: Der Aufstieg zum Aussichtsturm gelingt nicht nur zu Fuß durch die hübschen Wälder, die Karlsbad umgeben, sondern auch mit einer Standseilbahn. Die aktuellen Öffnungszeiten und Preise findet ihr hier.

Oben angekommen, besteigt ihr den Aussichtsturm entweder über die 150 Treppenstufen – oder ihr wählt wieder den bequemen Weg mit dem Fahrstuhl -und das völlig kostenlos. Oben erwartet euch ein wirklich atemberaubender Ausblick auf die Stadt und die üppigen Mischwälder. Für mich im doppelten Sinne atemberaubend, denn ich habe Höhenangst. Trotzdem habe ich es geschafft, den Ausblick für euch festzuhalten:

Direkt neben dem Turm findet ihr zwei Biergärten, in dem weiße Pfauen herumflanieren. Einen mit Bedienung und angeschlossenem Restaurant mit klassischer tschechischer Küche und einen mit Selbstbedienungs-Klassikern, wie Pommes und tschechischer Bratwurst.

Im gleichen Gebäudekomplex befindet sich auch ein kleines Schmetterlings-Tropenhaus, direkt daneben ein Kinderspielplatz und ein kleines Tiergehege mit Ponys, Ziegen und Schweinen. Also ein rundum schönes Ausflugsziel für die ganze Familie.

Für alle, die mit spazierfreudigen Kids reisen oder ohne: Die Wälder, die Karlsbad umgeben, eignen sich für herrliche Spaziergänge, die sogar zum offiziellen Karlsbader Kurangebot dazu gehören. Verschiedene Routenvorschläge für Kur-Spaziergänge – kategorisiert von kurz (für Kids und Oma) bis lang (für passionierte Spaziergänger) – findet ihr hier.

Naturfreibad Rolava

Wenige Meter vom Hotel und der Mühlbrunnenkolonnade entfernt, hält die Buslinie 1: Euer Tor zur nicht-touristischen Innenstadt, zum bekannten Becherova-Museum, zum Bahnhof und zu einem ganz besonderen Ausflugsziel: dem Naturfreibad Rolava.

Der Bus fährt euch in wenigen Minuten für umgerechnet nur 1 Euro pro Erwachsenem bequem und ohne Umsteigen in die direkte Nähe des Badesees.

Ich konnte es kaum fassen, aber für diesen wirklich schön angelegten Badespaß wird tatsächlich kein Eintritt verlangt. Lediglich die einzelnen Spaßattraktionen kosten ein kleines Entgelt von durchschnittlich 1-2 Euro, man kann aber auch einfach ohne die Geldbörse zu zücken im naturnahen Badesee schwimmen, auf dem feinen Sandstrand die Sonne genießen oder sich einen schattigen Platz auf der Wiese unter einem Obstbaum suchen. Während in der Karlsbader Innenstadt keine Spielplätze zu finden waren, war hier ein wirkliches Kinder-Spielparadies mit verschiedenen Spielplätzen für alle Altersklassen, einem Wasserparcours und Baumhäusern mit Kletterwald. Duschen, Umkleidekabinen und sanitäre Einrichtungen sind vorhanden. Wenn ihr also mal einen Tag Ruhepause vom Städteurlaub sucht, findet ihr hier wenige Minuten entfernt eine Abwechslung, die einem Tag Strandurlaub schon sehr nahe kommt.

Auch das gastronomische Angebot war für eine Strand-Pommes-Bude sehr gut und bot neben den Klassikern Pommes und tschechische Bratwurst auch andere Spezialitäten, wie eingelegten Grill-Käse. Für alle Foodies unter euch, die unter Unverträglichkeiten leiden: Ca. 10 m vom Eingang des Naturfreibades entfernt findet ihr einen großen, gut sortierten Supermarkt, der über ein wirklich außerordentlich umfangreiches Angebot an beispielsweise glutenfreien Backwaren verfügt.

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Geheime Wege

Ich liebe es, geheime Wege zu entdecken. Einfach mal eine Treppe hoch oder einen versteckten Weg entlang, um zu entdecken, wo sie hinführen.  Solche geheime Wege gibt es in Karlsbad viele, haltet die Augen offen! Es macht großen Spaß, herauszufinden, wo ihr schlussendlich landet. Da Karlsbad nicht groß ist, findet ihr fußläufig auch einfach wieder zurück.

Einige meiner Entdeckungen verrate ich euch hier:

Die Treppen hinter der Hauptpost führen über das Villenviertel zur Kirche St. Peter & Paul

Neben der Mühlbrunnenkolonnade findet ihr am Pavillon der Freiheitsquelle eine Treppe, die euch zu einer kleinen Aussichtsplattform und über einen kleinen Waldweg wieder zurück führt. Geht dann rechts durch das Tor und ihr steht mitten auf dem Dach der Mühlbrunnenkolonnade, ein wirklich herausragendes Erlebnis! Im hinteren Teil der Dachterrasse führt euch ein weiterer geheimer Weg ins Villenviertel der Stadt, am in einer Kirche befindlichen Wachsmuseum vorbei Richtung nicht-touristisches Stadtzentrum mit Fußgängerzone.

Welcome-Back-Konzerte

Egal wohin wir unseren Tagesausflug gemacht hatten, als wir wiederkamen, erwartete uns jeden Tag ein beeindruckendes Konzert in der Mühlbrunnenkolonnade, die ich liebevoll unsere Welcome-Back-Konzerte getauft habe. Fantastische klassische Musik, beispielsweise mit dem Karlsbader Sinfonie-Orchester. Glaubt es mir, da hüpft das Herz vor Freude, wenn ihr diese Konzerte live erleben könnt.

Traditionelle und junge Gastro in Karlsbad

Die tschechische Küche ist traditionell eher für deftige Mehlspeisen und geschmortes Fleisch in Mehlschwitze sowie für die Karlsbader Oblate bekannt, die an vielen Ecken frisch gebacken ‚auf die Hand‘ oder hübsch verpackt angeboten wird.

Für alle Foodies mit Glutenintoleranz unter euch, die auch gerne etwas Süßes auf die Hand möchten, während sie durch die Stadt flanieren: In der Fußgänger-Einkaufszone findet ihr laktose- und glutenfreies Eis, abseits der Touristenpfade für umgerechnet nur 60 Cent.

Cukrárna Jadran in der Dr. Davida Bechera Straße

Aber es entwickelt sich auch eine junge Gastro-Szene, die Alternativen anbietet. Von  glutenfreien Kartoffelwaffeln bis Buddha-Bowls wurden wir in ein und derselben Straße fündig, der Masaryka-Straße, ebenfalls in der nicht-touristischen Fußgängerzone in der Karlsbader Innenstadt und in unmittelbarer Nähe zur Eisdiele. Auf der Suche nach dem besten Espresso der Stadt sind wir in dieser Straße gleich zwei Mal fündig geworden, es lohnt sich also, dieser Gegend mal einen Besuch abzustatten. Es scheint in Tschechien gerade Trend zu sein, direkt vor den Augen der Gäste Kaffeebohnen zu rösten, denn uns begegneten in den wenigen Tagen, die wir in Karlsbad waren, gleich mehrere Cafés mit diesem Konzept:

Republica Coffee mit einem sehr guten Barista mit perfekten Englischkenntnissen, der uns auch gleich vor Ort zeigte, wie er die Espresso-Bohnen röstet. Klickt mal für einen kurzen Live-Mitschnitt in die Insta-Story rein.

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Bagel Lounge mit glutenfreien Frühstücks-Kartoffelwaffeln.

Lékárna by City-Roasters mit eigener Röstung und frischen Bowls, wie der Buddha Bowl.

Nice to know, für alle Foodies unter euch mit Glutenintoleranz, die wie ich ein kleines Laster haben und gerne auch mal ausnahmsweise Fast-Food essen: Ja! Im Mc Donald’s in Tschechien gibt es glutenfreie Burger. Ihr findet eine Filiale ebenfalls in der Masaryka-Straße in der Fußgängerzone.

Wer gerne modern interpretiertes tschechisches Essen oder guten Espresso und grandiosen Kuchen mit einem Spaziergang durch das höher gelegene Villenviertel direkt am angrenzenden Stadtwald probieren möchte: Wir haben dieses hübsche Restaurant mit überdachten Biergärten, kleinem See und Kinderspielplatz entdeckt:

Restaurace Malé Versailles, Křižíkova-Straße.

Direkt daneben, in der Villa Ritter, gab es bis vor Kurzem eine kleine Sensation für Vegetarier und Veganer, für die es sonst eher schwer ist, in Tschechien etwas zu finden: Das vegane Vitariana Raw Food Restaurant. Aber leider scheint das im Netz hochgelobte Konzept nicht genügend Abnehmer gefunden zu haben – als ich vor Ort war, wurde mir mit Bedauern berichtet, dass das Restaurant kürzlich geschlossen wurde.

Karlsbad mit Kids

Karlsbad ist ein traditioneller Kurort und natürlich kein Familien-Spaß-Center im Amusementpark. Aber das macht nichts! Man kann trotzdem auch mit Kids einen fantastischen Urlaub hier verbringen, der Eltern und Kindern gleichermaßen Spaß macht und Familienurlaub mit ein wenig Wellness verbindet.

Mit Kleinkindern lässt es sich gut durch die Kolonnaden und die dazwischen liegenden Fußgängerzonen flanieren, sei es im Tragesystem oder schon auf den eigenen Beinchen – nur bei den heißen Quellen ist Vorsicht geboten: Sie wirken auf die Kleinen magisch anziehend, sind aber sowohl wegen der heißen Temperaturen als auch aus hygienischen Gründen für Kinderhändchen Tabu. Auch Kids im Schulalter können sich auf Grund der kurzen Wege zwischen den Kolonnaden für das Flanieren begeistern, meine große Tochter durfte auch ein kleines Schlückchen Heilwasser probieren, war aber von der Tasse deutlich mehr angetan als vom Wasser selbst. Da alle paar Meter ein neues optisches Highlight wartet, wurde es auch meiner Großen nicht langweilig und so stand einem wirklich entspannten Familien-Flanieren nichts im Wege.

Im Hotel waren auch andere Familien mit Kindern, wobei die Mehrheit ohne Kids reist. Im Restaurant standen Kinderstühle bereit, das Buffet bietet auch für Kids Komponenten, mit denen sie ihren Lieblings-Kinderteller bestücken können. Auch den Hotel-Pool kann man mit Kids nutzen, allerdings sollte man sich dabei dessen bewusst sein, dass es sich um ein Medical Spa handelt und nicht um ein Spaßbad. Mit entsprechender Rücksichtname konnte ich aber auch mit meiner Großen Bahnen schwimmen, ohne andere Gäste zu stören, zumal wir meist eh die einzigen Pool-Gäste waren, sodass ich die ausgiebige Schwimm-Zeit mit meiner Tochter richtig genießen konnte.

Im Kapitel Ausflüge findet ihr wertvolle Tipps, was ihr in Karlsbad – neben entspannten Flanieren – noch so alles Familienfreundliches erleben könnt und auch, wo ihr versteckte Kinderspielplätze findet, auf denen sich die Kids richtig austoben können.

Foodie-Wörterbuch

glutenfrei ————— bezlepková
ohne Mehl ————– bez mouky
laktosefrei ————– laktózy
ohne Milch ————- bez mléka
pflanzliche Milch — bylinné mléko
vegetarisch ———— vegetarián
vegan ——————– vegan
lowcarb —————– lowcarb
Allergie —————— alergie
Unverträglichkeit — intolerance
bitte ———————– prosím
danke ——————— poděkovat
hallo ———————- ahoj
tschüss ——————- sbohem

Anreise

Leute, reist mit dem Zug an! Es ist einfach fantastisch! Ab 19,90 EUR pro Erwachsenen und Richtung bringt euch die Bahn bis ins Karlsbader Zentrum, von Erfurt aus in nur 3,5 h Fahrtzeit plus etwa eine halbe Stunde Umsteigezeit in Nürnberg und 5 Minuten in Cheb, einfach und völlig unkompliziert am Gleis gegenüber, sogar mit zwei kleinen Kids (die übrigens gratis reisen) perfekt handelbar. In den Sommerferien mit animierter Kinderbetreuung für die Kids im ICE und in der Tschechischen Regionalbahn mit WLAN und Kinderkino – sowie atemberaubend schönen, vorbeirauschenden Landschaften im Zugfenster. So entspannt sind wir noch nie ins Ausland gereist!

In Karlsbad angekommen, empfehle ich euch bei schwerem Gepäck das Taxi für umgerechnet rund 5,- EUR, das euch bis zum Hotel fährt. Achtet dabei unbedingt darauf, dass ihr offizielle Taxis erwischt (und keinen „Hobbytaxifahrer“ mit aufgesetztem Taxi-Schild), die ihr eindeutig an den großflächigen Firmenaufklebern am Wagen erkennen könnt. Oder ihr reist mit leichtem Gepäck und dem Bus Nr. 1 für nur 25 CZK (ca. 1,- EUR) direkt vom oberen Bahnhof – in unserem Fall ohne Umsteigen zum Astoria Hotel zur Endhaltestelle Lázně III. Das Astoria Hotel befindet sich übrigens inmitten einer Fußgängerzone, in der sympathischerweise nur Pferdekutschen, Lieferverkehr und Taxis fahren dürfen. Für alle, die auf nachhaltiges Reisen achten, also einfach perfekt.

Ihr wollt noch mehr sehen?

Ihr habt euch noch nicht satt gesehen? Dann klickt rein, in meine Insta-Story mit kurzen Videos und Live-Eindrücken mitten aus Karlovy Vary.

Und dann nichts wie hin, in diese zauberhafte Stadt, die ihr wirklich unbedingt mal live erleben solltet!