Corona-Diary: Gastronomie in der Zeit der Krise

Auf ein Mittagessen.

Montag, 16.03.2020

Wenn ein Virus droht, dir die Existenz unter den Füßen wegzuziehen …Was jetzt kommt? Ich weiß es nicht. Wir hängen in der Gastronomie gerade ganz schön in der Luft. Ich kann nur hoffen, dass auch in Erfurt bald klare Entscheidungen getroffen werden.

Darf die Gastronomie öffnen? Welche Einschränkungen wird’s geben? Wenn der Betrieb eingestellt werden muss, dürfen wir dann noch ToGo aus dem Fenster verkaufen?Welche Rettungsmaßnahmen sind für die Gastronomie geplant?

Kredite bringen kleinen inhabergeführten Läden gar nichts außer Schulden. Viele Fixkosten, die das eigene Einkommen um ein Vielfaches überschreiten, laufen weiter – es bleibt nur noch die Hoffnung auf viel menschliches Miteinander. Auf gegenseitige Solidarität, Hilfe, Rücksichtnahme.

Jetzt ist die Chance für unsere Gesellschaft zu zeigen, was sie kann. Wir alle – mit Menschlichkeit, Hilfsbereitschaft und Rücksichtnahme. Staat und Behörden – mit wirkungsvollen Hilfen, die wirklich bei denen ankommen, die sie dringend brauchen. Künstler, Veranstalter, Gastronomen und so viele mehr – sie alle leben jetzt nicht nur mit Einschränkungen, sei es finanziell, zeitlich oder räumlich. Sie alle kämpfen jetzt um ihre Existenz. Ich wünsche uns allen, dass wir diese Herausforderungen gemeinsam meistern werden.

Wie geht es euch mit der Krise? Wie macht sie sich bei euch bemerkbar? Für den Moment baue ich jetzt auf’s Glücklich-Essen: In Form von gebackenem Hokkaido-Kürbis auf Grünkohl in Lieblingssauce. Mit Reis, jawoll, heute war mir nach Kohlenhydraten, um meine Energiespeicher aufzufüllen. Energie und Kraft werden wir jetzt alle brauchen.

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Dienstag, 17.03.2020

Die Ereignisse überschlagen sich. Gestern wurde auf Bundesebene beschlossen, dass der Handel ab Mittwoch zu großen Teilen schließen muss. Der Gastronomie wurde der Auftrag zuteil, die Bevölkerung bis 18 Uhr unter Einhaltung der Hygienevorgaben weiter zu versorgen.

Ob wir uns freuen, dass wir noch weitermachen dürfen, wurde ich heute viel gefragt. Meine Antwort: Es ist vor allem eine Aufgabe. Denn verdienen werden wir in dieser Zeit nichts – die Umsätze sind seit Montag um 50 % eingebrochen, unsere Gästezimmer sind in den kommenden Wochen komplett storniert. Unsere Einnahmenwerden noch nicht einmal reichen, um die Fixkosten, wie Miete und Personal, vollständig abzudecken, an ein eigenes Einkommen ist da schon gar nicht mehr zu denken.

Aber wir haben einen Auftrag. Wir sind so oder so Idealisten und jetzt ist es unsere Aufgabe, die Bevölkerung mit Mittagessen zu versorgen. Die Apotheke nebenan arbeitet auf Hochtouren, die Chefin holt jeden Mittag das Essen für die Belegschaft bei uns ab – alle, die in den umliegenden Büros und in der Gegend im Homeoffice arbeiten, freuen sich, schnell ihr Essen bei uns abholen zu können, um ihre Energiereserven aufzufüllen. Und auch mal ein liebes Gespräch zu führen, denn ein wenig sozialen Kontakt brauchen wir alle. Auch das stärkt das Immunsystem.

So kommt immerhin noch fast die Hälfte der üblichen Gäste und wir spüren ihre Dankbarkeit, dass wir noch für sie geöffnet haben. Das ist momentan mein Lohn. Und auch das ist wirklich viel wert.

Mittwoch, 18.03.2020

Kann es noch verrückter werden? Es kann.

Wir hatten uns gerade auf die neue Regelung eingegrooved, alles minutiös geplant, um Schlangen und Wartezeiten zu vermeiden und alle Hygienevorschriften einzuhalten, holen die letzte Auflaufform mit duftendem Shepherd’s Pie aus dem Ofen, schon bis auf die letzte Portion vorbestellt.

Und dann platzt die Bombe:

Wir machen das Gitter auf, ein lieber Gast kommt herein und sagt: „Auf dem Erfurter Wenigemarkt räumen alle Gastronomen panisch ihre Außenbestuhlung weg, Bäcker mit Café verschenken ihre Backwaren, weil ihnen gesagt wurde, sie müssten SOFORT schließen!“ Gott, da ist mir fast die Auflaufform aus der Hand gefallen. Panisch haben wir auch gleich begonnen, die Außenbestuhlung reinzuräumen, währenddessen rattert es in meinem Kopf: Warum sagt uns denn keine offizielle Stelle rechtzeitig Bescheid, bevor ich eingekauft und in stundenlanger Arbeit das Mittagessen gekocht habe? Muss ich jetzt alles wegschmeißen? Und während ich noch panisch auf und ab laufe und versuche einen klaren Gedanken zu fassen, kommen andere Gäste herein und geben Entwarnung: Schließung ja. Aber ab morgen. „Steht hier schwarz auf weiß in der Thüringer Allgemeine! Falls die Polizei kommt und räumen will, legen wir ihnen den Zeitungsartikel vor. Das muss auf dem Wenigemarkt ein riesen Mißverständnis gewesen sein.“

Ahhhh! Was für ein emotionales auf und ab. Wir konnten unseren Shepherd’s Pie also doch noch verkaufen. Unsere lieben Gäste kamen auch alle, wie vorreserviert – und hatten viel Verständnis dafür, dass ich wie ein aufgeschrecktes Hühnchen um Contenance gerungen habe. Selbst ich kann nicht immer alles weglächeln.

Und nun? Werden wir erfinderisch. Ich habe heute Nachmittag gleich bei der Erfurter Stadtverwaltungs-Hotline angerufen und habe das Go bekommen für unsere neue Krisen-Erfindung: Ab morgen werden wir zum Mittagessen-Supermarkt mit ToGo-Fenster. Also nur noch ToGo auf Vorbestellung aus dem Fenster. Es bleibt spannend. Ich halte euch auf dem Laufenden.

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Donnerstag, 19.03.2020

Leben im Shut-Down. Ab heute hat Erfurt die Sitzplatz-Gastronomie geschlossen. Ab morgen alle Geschäfte & Dienstleistungen außer die für die Grundversorgung notwendigen.

Auf einen Schlag fokussiert sich das Leben auf die Dinge, die wirklich lebensnotwendig sind. So angsteinflößend die aktuelle Situation ist: Es schwingt erstaunlicherweise ein positives Gefühl mit. Ein Gefühl von Wärme. Solidarität. Mitmenschlichkeit. Kombiniert mit Kreativität, Erfindungsreichtum & Fokus auf das Wichtige im Leben.

Meine kleine Tochter ist heute Früh aufgewacht und war rundum glücklich. Sie spürt gar nicht, dass das Leben, das wir alle kennen, gerade aus den Fugen gerät. Denn sie hat alles, was sie braucht: ihre Familie, Liebe, ein schönes Dach über’m Kopf und leckeres Essen. Heute Früh hat sie noch vor dem Frühstück so ausgelassen zur Musik in unseren Cafélautsprechern getanzt, dass ich für den Moment auch richtig glücklich war. Behaltet euch diese kindliche Wertschätzung der wesentlichen Dinge im Leben – sie bringt euch am Besten durch die Krise, die gerade auf uns zurollt.

Haltet euch ans #socialdistancing – aber bleibt soziale Wesen mit viel Menschlichkeit. Einfach ist das nicht immer – es fiel mir heute Früh beim Lebensmittel-Einkauf auf: Wenn man sich immer wieder ermahnen muss, 1,5 m Abstand zum nächsten zu halten – dann vergisst man schnell, zu lächeln, ein freundliches Wort oder eine achtsame Geste. Aber es geht – wir werden jetzt viel Zeit haben, genau das zu lernen – Distanz halten und gleichzeitig voller menschlicher Wärme füreinander da zu sein.

#supportyourlocals ist eine dieser herzerwärmenden Bewegungen. Viele eurer Lieblingsläden, Dienstleister, Künstler … haben sich kreative Ideen ausgedacht, um die Krise gemeinsam mit euch zu überstehen. So können wir alle füreinander da sein. Fragt nach, was sie sich ausgedacht haben und nutzt es! Gutscheine, ToGo-Verkauf, Online-Dienste, Buch-, CD-Versand per Post, etc. Unser Café-Bistro z.B. hatte heute seinen ersten Tag als Mittagessen-To-Go-Supermarkt mit Fenster-Verkauf. Ihr helft uns mit jedem gekauften ToGo-Essen – finanziell wenigstens einen Teil unserer Kosten zu decken – und vor allem mit eurer Mitmenschlichkeit.

Ihr wollt in eurer Region helfen? Lieblingsläden, Dienstleister, Künstler & Co könnt ihr in der Krise unter die Arme greifen, indem ihr kreative Angebote nutzt, die sie sich haben einfallen lassen: Gibt es noch ToGo-Verkauf? Wird geliefert? Gibt es einen Online-Shop? Gibt es Bücher, CDs, Merchandise und andere Produkte, die ihr direkt und ohne Umweg über Großhändler bestellen könnt? Fragt nach! Und nutzt es. Jedes bisschen hilft.

Wer unserem Café-Bistro Peckham’s in Erfurt helfen möchte: Bestellt unsere Kochbücher direkt bei uns und nicht bei den großen Online-Händlern, wir schicken sie euch per Post und ohne Versandkosten zu, gerne auch mit einer persönlichen Widmung. Schreibt einfach eine E-Mail an karina@peckhams.de.

Oder, wenn ihr in Erfurt wohnt: Nutzt unser ToGo-Angebot. Wir versorgen euch auch in der Krise mit selbstgekochtem Mittagessen – Glück-in-der-Box aus unserem Mitnahmefenster. Auf Vorbestellung am Vortag, um Warteschlangen zu vermeiden. Ihr seht hier, was es Montag-Freitag Mittag bei uns gibt: https://www.facebook.com/I.like.Peckhams

Freitag, 20.03.2020

Glück zum Mitnehmen. Heute hab‘ ich mir eine unserer ToGo-Boxen für Abends aufgehoben. Einige von euch haben sich heute auch ihr Glück ToGo bei uns abgeholt – und ihr habt euch dabei so vorbildlich in #socialdistancing geübt, dass ich gedacht habe: Wären alle so rücksichtsvoll wie ihr, müsste es gar keine Ausgangssperre geben. Leider haben aber immer noch so viele den Sinn und Zweck des #socialdistancing nicht verstanden, dass es wohl eine Ausgangssperre geben wird. Vielleicht schon ab Montag. Was dann mit unseren „Glück ToGo“-Boxen wird, steht in den Sternen. Wir werden sehen.

Hier in #erfurtcity habe ich tatsächlich Hoffnung. Ich habe die Straßen auf dem Weg zur Post noch nie so leer erlebt. Die meisten waren allein unterwegs, offensichtlich um Besorgungen des täglichen Bedarfs zu erledigen. Wenn zu dritt, dann Mama, Papa & Baby im Kinderwagen, in gebührendem Abstand zu anderen, um etwas frische Luft zu schnappen. Kommt die Ausgangssperre, wird Letzteres bald nicht mehr möglich sein. Es liegt in unser aller Hand.

Redet auch gerne Menschen hier auf Social Media ins Gewissen, viele hat es tatsächlich nicht erreicht, dass es in einer Ausgangssperre münden wird, wenn wir’s nicht von uns aus schaffen, besonnen und nachsichtig zu handeln. Aber auch wenn ihr eurer Aussage Nachdruck verleihen wollt – bleibt nett zueinander. Kraftausdrücke müssen wirklich nicht sein, ganz im Gegenteil, Hashtags + Profilbildrahmen im O-Ton #staythefuckhome bringen Aggressivität in unsere Kommunikation, die wir in Krisenzeiten dringend vermeiden sollten, um menschlich aufeinander zugehen zu können. #wirbleibenzuhause ist eine ganz wundervolle Alternative – da kommt die Kommunikationswissenschaftlerin in mir durch 🙂 Aus der Ich-Perspektive heraus kommuniziert, lädt es völlig gewaltfrei auch diejenigen dazu ein, umzudenken, die es noch nicht verinnerlicht hatten. Nachahmungsverhalten funktioniert schon bei kleinen Kindern besser, als ein mit Kraftausdücken gespickter Befehl. Ja, und eiins, zweiii, dreiiii funktioniert seit jeher auch hervorragend – womit wir wieder beim Thema Ausgangssperre wären.

Also, wartet bitte nicht, bis die 3 ausgesprochen wurde. Handelt jetzt.

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Montag, 23.03.2020

„Wir machen dann jetzt zu“ sagte mir der Döner-Betreiber von nebenan. DER Dönerladen, der IMMER geöffnet hat, von Mittags bis spät in die Nacht, außer 2 Tage an Weihnachten. ZU. Auch kein Fensterverkauf. Dass es das jemals geben wird, ich hätte es nicht für möglich gehalten.

Eine Bitte hat er noch, sagt er mir und reicht mir einen Salat zum Dank – ob ich an unserem Drucker ein Vorübergehend-wegen-Corona-geschlossen Schild für ihn ausdrucken könnte. Denn das Ordnungsamt fotografiere diese Schilder, um zu dokumentieren, wer für die geplanten Hilfsmaßnahmen vorgesehen werden muss.

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Da sind bei mir tatsächlich große Fragezeichen entstanden. Das klang für mich überhaupt nicht nach dem Vorgehen deutscher Bürokratie – ausgedruckt habe ich das Schild trotzdem, es ist ja so oder so gut, die Kunden zu informieren. Und dann hab‘ ich mich an den PC geklemmt und habe gegoogelt. Und es gefunden: Das Land Thüringen hat tatsächlich einen Schutzschirm für Kleinst-, Kleinunternehmen und Freiberufler geplant, die Details werden heute Nachmittag veröffentlicht. Mit Internetportal, Telefonhotline und Formular-Download.

Ich bin gespannt und habe berechtigt Hoffnung, dass die Verantwortlichen erkannt haben, dass die Kleinen andere und schneller Hilfe benötigen, als sie es von Hilfsmaßnahmen für große Konzerne kennen. Während ich noch nach Details googele, steht mein Social Media Netzwerk nicht mehr still – einer nach dem anderen leitet die Info zum Hilfspaket weiter – auch ich checke, wer noch nicht im Verteiler ist und leite weiter.

Nur der Döner-Betreiber von nebenan ist nicht via Social Media erreichbar. Auch keine E-Mail oder Handynummer. Aber ich vertraue auf den Flurfunk – denn auch die Dönerimbisse sind in Erfurt gut vernetzt.

Dienstag, 24.03.2020

Die Server waren dann gestern 16 Uhr platt.

Komplett überlastet. Thüringen hat als eines der ersten Bundesländer das Soforthilfeprogramm Corona für Klein- und Kleinstunternehmer, Solopreneurs, Freiberufler und die wirtschaftsnahe Kreativwirtschaft auf die Beine gestellt.

Auch ich saß 16 Uhr am PC, um das Antragsformular downzuloaden. Dann war die Seite kurz offline – aha, jetzt wird das Formular hochgeladen – und dann? Nicht mehr abrufbar. Seitencrash. Vielleicht saßen 20.000 Menschen genau wie ich vor’m PC und haben auf den gleichen Link geklickt. Community-Support sei Dank hatte ich zwei Stunden und eine übrig gebliebene Mittagessen-inderBox-Portion später das Formular.

Was würden wir in Tagen wie diesen nur ohne die wunderbare Vernetzung via Social Media machen? Und tatsächlich: Das Programm macht Hoffnung. Hier wird tatsächlich recht unbürokratisch Soforthilfe zur Verfügung gestellt – 2 Seiten Antrag, eine ich-habe-in-den-letzten-2-Jahren-keine-andere-Förderung-erhalten-„De-minimis-Erklärung“ (was für ein herrliches Wort!), Gewerbeanmeldung. Fertig. Da habe ich in meinem Leben schon deutlich kompliziertere Formulare ausgefüllt.

Ich bin gespannt, auf welcher Position sich mein Antrag eingereiht hat? Warteposition 10.000? Vielleicht.

Jetzt bin ich gespannt, wie viele Menschen diesen Formularberg bearbeiten und wie lange sie brauchen werden. Am 1. April ist unsere Miete fällig, wie bei den meisten anderen sicher auch.

Was die Verantwortlichen hier wirklich erkannt haben: Die Kleinen brauchen schnell Hilfe, unbürokratisch und nicht als Kredit sondern als nicht-rückzahlbare Förderung. Ohne Rücklagen stehen sie sonst nicht ’nur‘ ohne Einkommen da, sondern bereits zum ersten des Monats vor einem unüberwindbaren Schuldenberg – in Form von Miete, verbleibenden Gehältern trotz Kurzarbeit und anderen Verbindlichkeiten. Aber was dann? Abgefragt und beziffert wird nur der aktuelle Schaden. Da die Shutdown-Verfügung in Thüringen – wie auch in anderen Bundesländern – bis 19. April greift, also bis 19. April. Bis dahin hilft die Förderung auch tatsächlich, den Kopf über Wasser zu halten, vielleicht noch ein paar Tage länger.

Und nach dem 19. April?

Geht dann unser Leben auf einen Schlag wieder weiter wie bisher und alles ist gut? Wohl kaum. Ja, selbst ich, die unverbesserliche Optimistin, glaube nicht daran – die Faktenlage zeigt einfach eine ganz andere Realität. Verzweifeln werde ich trotzdem nicht. Denn ich sehe die Situation als Prozess, in dem jeder Part mit seinen Aufgaben wächst. Der einzelne Bürger ebenso wie der Staat. Wir alle lernen, mit der neuen, sich stetig wandelnden Situation umzugehen – und ich finde, wir machen dabei alle einen verdammt guten Job. Während Menschen sich virtuell vernetzen und Hilfe zur Selbsthilfe leisten, mit wundervollen Netzwerken, wie z.B. hier in Erfurt die facebookgruppe #keeperfurtalive oder Insta-Hashtags wie #supportyourlocals, und der Nutzung der Angebote, arbeitet der Staat tatsächlich in rasantem Tempo daran, weitere Hilfen auf den Weg zu bringen.

Nur in der Kombination kann es klappen – Wille zur Selbst- und Nächstenhilfe, Solidarität jedes einzelnen plus staatliche Förderung kann schrittweise alles am Leben erhalten, das dem Shutdown zum Opfer gefallen ist – damit wir dann auch noch alle da sind, wenn es heißt: Öffnet wieder die Türen! Es ist geschafft!

Mittwoch, 25.03.2020

Von Entschleunigung ist die Rede. Von Zeit für sich. Zeit für ein gutes Buch. Zeit für die Familie. Endlich Kleiderschrank ausmisten und Stadt Land Fluss spielen. Ganz ehrlich? Ich spüre von dieser Entschleunigung nichts. Viel mehr fühlt sich alles an, wie ein Wirbelsturm – alles wirbelt durcheinander: positive und negative Emotionen, Angst und Hoffnung, mehr Arbeit als jemals zuvor, zumindest jetzt in den ersten Wochen, während neben dem Tagesgeschäft unter komplizierten Bedingungen auch ein Berg an Formularen für Ämter und Versicherungen auf uns wartet. Parallel im Wechsel die Betreuung der Kids, während wir versuchen, unser Café-Bistro am Leben zu erhalten.

Natürlich tun wir das auch für uns – immerhin ist unser Café-Bistro seit 12 Jahren unser Lebensprojekt, in das wir alles gesteckt haben, das wir besitzen. Still und heimlich hat es am Wochenende seinen 12. Geburtstag gefeiert, ganz ohne Gäste. Aber wir tun das auch für unsere Gäste, unsere Mitarbeiter, unsere Familie – damit es das Peckham’s auch noch gibt, wenn alles überstanden ist – um diesen besonderen Ort für alle und Arbeitsplätze für unsere wundervollen Mitarbeiter zu bewahren. In diesem emotionalen Strudel geben mir die Wärme und Mitmenschlichkeit, die verstärkt in unserer Gesellschaft zu spüren sind, viel Kraft. Im Kleinen wie im Großen.

Die Erfurter Initiative #keeperfurtalive, in der wir uns hier in Erfurt alle zusammentun, um uns gegenseitig zu unterstützen, strahlt sogar als inspirierendes Element in einer der heutigen Reden bis in den Bundestag hinaus. Selbst Ämter, die sonst eher ungern kontaktiert werden, sind hilfsbereit, verständnisvoll, zuvorkommend, üben sich darin, Bürokratie abzubauen und arbeiten im Akkord, um die vielen Hilfsanträge auf Soforthilfe oder Kurzarbeit zu bearbeiten. Die Welt wird an allen Ecken und Enden menschlicher und wärmer. Und dann springt mir diese E-Mail entgegen: Unterschreiben Sie die Petition jetzt! FCK60kug90.

Und es wird plötzlich inmitten so viel Wärme kalt.

Während Menschen um ihre wirtschaftliche Existenz kämpfen, möchte Verdi die Rettungsmaßnahmen, die der Staat gerade erst in beeindruckendem Tempo auf den Weg gebracht hat, ins Wanken bringen.

Während Menschen wie ich ihre ganze Kraft investieren, um ihr Unternehmen durch die Krise zu steuern, verzichten wir dabei gänzlich auf ein eigenes Einkommen, müssen als Unternehmer trotzdem unsere Kranken-, Pflege-, Renten-, Arbeitslosenversicherung begleichen, arbeiten unendlich viele Arbeitsstunden, um betriebliche Kosten wie Miete, Strom, Wasser, Versicherungen, Steuerberater, Telefon, Internet und verbleibende Arbeitsstunden der Mitarbeiter zahlen zu können. Und dann muss ich so etwas lesen: Verdi genügt es nicht, dass Angestellte, die in der Krise in Kurzarbeit zu Hause bleiben, um sich Familie, Kindern, Haushalt, Kleiderschrank ausmisten, Stadt-Land-Fluss-Spielen, ein gutes-Buch-lesen und dem Entschleunigen zu widmen, 60 % ihres Nettolohns und alle Versicherungsleistungen, wie Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung erhalten. Nein, der Arbeitgeber, der gerade um’s Überleben kämpft, soll mit 30 % auf 90 % des Einkommens aufstocken. Und nein, wenn ich es richtig verstanden habe, nicht nur Großkonzerne – sondern alle. [Nachtrag: Neben Verdi werden diese Forderungen aktuell auch von anderen Gewerkschaften, wie der NGG (Gastronomie) gestellt – mit „jeder Betrieb“, wie es von NGG und Verdi formuliert wurde, sind aber nur tarifgebundene Arbeitgeber gemeint – wobei auch hier die Frage für mich offen bleibt, ob die Forderung ggf. für viele tarifgebundene Arbeitgeber in der Insolvenz mündet.]

So sehr ich jeden schätze, der sich für Rechte anderer einsetzt – wo bleibt hier das soziale Verständnis und menschliche Miteinander? Was sind denn Unternehmer, wenn nicht Menschen, die auch geschützt werden müssen? Ich wäre unendlich froh, wenn ich mich während Corona mit 60 % meines Lohns und allen Versicherungen im Rücken der Entschleunigung widmen dürfte. Ich würde diese Leistung nicht mit grenzwertigem, aggressiven Vokabular kleintreten und noch mehr fordern – ich würde diese Leistung in Krisenzeiten wie dieser aus tiefstem Herzen wertschätzen.

[Etwas später heute Abend:]

Social Media sei Dank konnte mein Entsetzen durch den spannenden Austausch mit lieben Lesern meines Tagebuchs bis zum Abend etwas abgemildert werden. Das ist das wundervolle daran, ein Tagebuch nicht nur für sich zu schreiben, sondern mit euch zu teilen: Der Austausch bringt ungemein weiter und hilft, die Gedanken zu sortieren.

Jetzt da ich weiß, dass erste Zeitungsartikel zu den Forderungen der Gewerkschaften etwas missverständlich formuliert waren und sich die Forderungen auf tarifgebundene Unternehmen fokussieren (siehe Nachtrag): Sozial und gerecht fühlt es sich für mich dennoch nicht an. Ist es der richtige Weg, in schweren Krisenzeiten wie dieser – ach, was sag‘ ich, der schwersten, die unsere Generation je erlebt hat – Arbeitnehmer in 2 Lager zu spalten (Tarif = 90-kug und nicht-tarif = 60-kug), die Hilfestellung 60-kug mit grenzwertigen Formulierungen wie „fck60“ zu attackieren, anstatt sie zu wertschätzen?

Das Beste für diejenigen herauszuholen, die man vertritt, ist in der freien Marktwirtschaft gut und richtig. Aber in der Krise werden die Regeln der freien Marktwirtschaft zunehmend aufgehoben, wenn Unternehmen auf behördliche Anordnung handlungsunfähig gemacht werden. Dann ist der Ansatz, für einzelne das Beste herauszuholen, plötzlich völlig fehl am Platz. Denn in Krisenzeiten geht es nur noch mit solidarischem und sozialen Miteinander – für Arbeitnehmer ebenso wie Arbeitgeber, die sich alle nicht mehr wünschen, als diese Krise zu überstehen.Wie seht ihr das?

Donnerstag, 26.03.2020

Nudeln. Ein Zeichen. Die neue Zwischenwelt da draußen scheint sich zu stabilisieren.

Wie viele Tage haben wir Menschen in Deutschland gebraucht, um uns der Situation anzupassen? 5+8, also 13 Tage. Rekordzeit, wie ich finde.5 Tage brauchten wir alle, um den wahren Ernst der Lage zu erkennen. Freitag den 13. waren erste Zeichen erkennbar: Jetzt wird unser aller Leben anders. Am 18. startete dann in Einzelschritten der Shutdown, 8 Tage Chaos.

Und heute, Tag 9, gibt’s Nudeln. Geahnt hatte ich ein Gefühl von Bedrohung schon sehr viel früher. „Das wird noch krass“ schrieb ich meiner Mutter, Messenger sei Dank weiß ich auch noch wann, es war schon am 23. Februar. Was krass tatsächlich bedeutet, konnte ich natürlich noch nicht so recht begreifen. Aber das Gefühl war da.Was ich mich frage: Wenn selbst ich, nur aus einem Bauchgefühl heraus, schon Februar erahnen konnte, dass da etwas wirklich Drastisches auf uns zurollt – warum haben die Experten, die wesentlich mehr Informationen haben, nicht schneller reagiert? Flüge gestrichen, die Grenzen dicht gemacht, unser Leben in eine Schutzblase gesteckt?Vielleicht weil die Akzeptanz der Bevölkerung noch nicht da gewesen wäre? Eine Aufschrei des Unverständnisses durch’s Land gegangen wäre? Vielleicht. Jetzt ist die Akzeptanz überraschend hoch – über 80 % der deutschen Bevölkerung stehen hinter den aktuellen Maßnahmen, hat eine aktuelle Umfrage ergeben. Ob das wohl auch schon am 23. Februar der Fall gewesen wäre? Wer weiß.

Aber zurück zu den Nudeln. Sie sind wieder da. Als ein kleines Zeichen für einkehrende Stabilität stehen sie im Supermarktregal, als wäre nichts gewesen. Die Prepper haben fertig gepreppt und bleiben zu Hause – die Tonnen an Nudeln mit Tomaten aus der Dose müssen ja auch irgendwann gegessen werden und der Gang auf’s Klo ist auch für die nächsten Jahre gesichert. Nach nur 13 Tagen haben also auch wir nicht-Prepper wieder Zugriff auf Nudeln und als hätte ich es geahnt, habe ich sie für heute in unserem Fensterverkauf auf die Tageskarte gesetzt, mit Auberginen-Tomatensugo und viel frischem Rucola. Dabei habe ich die Nudeln gar nicht vermisst! Ihr wisst ja, als Paleo-LowCarb-Flexitarier mit Glutenintoleranz … aber so ein paar wenige glutenfreie hab‘ ich mir dann doch schnell noch zu meinen Gemüsegrillsticks in die Box gesteckt. Einfach als kleines Symbol für die neu einkehrende Stabilität in unserer Corona-Zwischenwelt.
Wie ist es bei euch? Spürt ihr auch schon erste Zeichen, dass wir vorübergehend zu einem neuen, irgendwie funktionierenden Alltag während der Krise finden?

Freitag, 27.03.2020

Hoffnungsträger. Sie alle tragen ihren kleinen großen Teil dazu bei, dass wir uns alle etwas besser zurechtfinden, in dieser abstrakten Zwischenwelt, die uns momentan da draußen erwartet.Da ist die Supermarktmitarbeiterin, die mich schon seit jeher mit ihrem fröhlichen Pragmatismus, ihrer Schnelligkeit, Herzlichkeit und ihrem Humor beeindruckt hat – und sich jetzt mit Sicherheitsweste und Gummihandschuhen bestückt darum kümmert, dass jeder Kunde einen Einkaufskorb- oder Wagen nimmt, um die vorgeschriebenen 17 Kunden im Markt besser zählen zu können. „Ist ganz frisch desinfiziert“, strahlt sie und reicht mir den Einkaufskorb. Und ihr Strahlen, ihre Selbstsicherheit vermitteln mir: Alles ist gut – diese verrückte Welt mit ihren neuen Regeln und Handlungsanweisungen geht vorübergehend in Ordnung und wir machen alle gemeinsam das Beste daraus.

Ein ähnliches Bild in der Drogerie ein paar Häuser weiter: Der junge Mann an der Kasse sieht mit seinen dicken, knallgrünen Haushaltsgummihandschuhen aus, wie einem Science-Fiction-Film entsprungen, am Eingang steht ein Security-Mitarbeiter, der sonst nie da steht, und zählt offenbar die Kunden. Und auch hier strahlt mich der Kassierer an, wünscht mir aus voller Überzeugung einen schönen Tag und gibt mir das Gefühl, dass trotz dieser vorübergehenden Verrücktheiten unseres neuen Alltags, trotz Security-Mann und Gummihandschuh, alles gut ist und wir gemeinsam das Beste daraus machen.Zurück zu Hause wartet eine E-Mail auf mich mit der gefühlt hundertsten Stornierung der Übernachtungen in unserem kleinen Bed & Breakfast – während jedoch andere mit einem gewissen Selbstverständnis schreiben, dass sie gerne die kostenfreie Stornierung auf Grund der aktuellen Lage in Anspruch nehmen wollen, ist diese E-Mail anders: Dieser Gast bittet mich gerade wegen der aktuellen Lage um Berechnung der Stornierungsgebühr – und das obwohl die Buchung noch so lange hin ist, dass eine Gebühr selbst ohne Kulanz- und Sonderregelungen nicht angefallen wäre. Und auch diese E-Mail vermittelt mir: Inmitten aller Verrücktheiten steckt auch immer etwas Gutes.Jeden Tag kommen liebe Menschen und kaufen unser Mittagessen aus unserem Fenster-Café, bestellen per E-Mail meine Kochbücher – alles liebevolle Gesten, die die Kraft haben, unsere verrückte Zwischenwelt zum Strahlen zu bringen.Und dann war ich richtig gerührt: Im Briefkasten entdeckte mein Mann eine handgeschriebene Postkarte. Eine liebe Blogger-Freundin schrieb mir ein paar Zeilen – analog per Hand – dass auch meine Zeilen, die ich hier täglich mit euch teile, für sie in dieser verrückten Zeit Hoffnungsträger sind. Und sie wurde mit ihren wundervollen Worten für mich selbst zum Hoffnungsträger.

Kennt ihr die unendliche Geschichte? In der Schlussszene sitzt die kindliche Kaiserin mit Bastian in einem dunklen Raum, der nur von einem kleinen Licht erhellt wird, das sie in ihrer Hand hält. Aus diesem Licht, dem letzten Korn das aus Phantasien übrig geblieben ist, baut Bastian mit Hilfe seiner Phantasie ein neues Phantasien auf, das noch viel bunter und strahlender ist als jemals zuvor.Gebt dieses Licht auch weiter, so wie die Hoffnungsträger die mir tagtäglich begegnen, mit ihren kleinen großen wundervollen Taten. Lasst euch dazu inspirieren anderen auch ein strahlendes Lächeln zu schenken, selbst wenn wir umnebelt vom ‚Duft“ von Desinfektionsspray auf Abstand gehen müssen. Schreibt einem lieben Menschen doch auch mal eine Postkarte mit ein paar aufmunternden Worten. Zeigt mit kleinen Gesten, dass ihr nicht nur an eure eigene Situation denkt, sondern auch voller Mitgefühl seid für die Situation anderer. Gebt das Licht weiter.Ihr habt bestimmt schon eine Idee, die gerade in euch wächst, oder?

Dienstag, 31.03.2020

Tapfere neue Welt. Im ersten Moment lässt sie mich an Huxleys „Brave New World“ denken.

Und doch ist unsere verrückte Zwischenwelt ganz anders. Ja fast wie ein Gegenstück zur düsteren Gesellschaft im Roman.

Ein Beispiel: Während Huxley eine Welt beschreibt, die zur Bedürfnisbefriedigung auf Konsum fokussiert ist, finden wir uns plötzlich in einer Zwischenwelt wieder, in der der Konsum von jetzt auf gleich an Bedeutung verliert, ja, sogar staatlich durch den Shutdown in großen Teilen unterbunden wird. Viele von uns kaufen – zum einen wegen geschlossener Geschäfte und zum anderen durch fehlendes oder reduziertes Einkommen während der Krise – nur noch das, was wirklich nötig ist und merken: So viel ist das gar nicht. Lebensmittel. Drogerie- und Haushaltsartikel. Vielleicht ab und zu Bürobedarf, den die Postfilialen abdecken. Und Medikamente, wenn benötigt.Und sonst? Genügt das, was wir haben, noch sehr lange Zeit, um gut zu leben. Ja, der Fernseher funktioniert, der CD-Player läuft, das gute Buch ist noch nicht gelesen, die Schuhe sind noch intakt, das Kleid noch hübsch, der Pulli kuschelig – und wenn’s mal ein Loch gibt? Stopfen. Und schon ist der Pulli wie neu.Bei meinen täglichen Besorgungen fällt mir auf: Ich lebe seit Jahren nicht anders – denn die Geschäfte, die ich regelmäßig besuche, haben auch jetzt noch alle geöffnet. Das, was ich mir im normalen Alltag kaufe, gibt es auch jetzt, in unserer tapferen Zwischenwelt.

Als Kommunikationswissenschaftlerin, die lange im Marketing gearbeitet hat, hab‘ ich gleich ein Wort dafür im Kopf: Postmaterielle. Menschen, für die nicht Geld und Konsum an oberster Stelle stehen. Sondern andere Werte: Familie. Freunde. Nachbarn. Ein gutes, soziales Miteinander. Zeit füreinander und für sich selbst. Liebe. Wertschätzung und Dankbarkeit für das, was man hat. Bildung und Weiterbildung, Offenheit für Neues, Kreativität in allen Lebenslagen.Was das alles mit Konsum zu tun hat? Genau: Nichts. Materielle Statussymbole? Irrelevant. Und plötzlich sind so viele von uns in dieser tapferen neuen Welt zunehmend ein wenig postmaterieller, ja über das Materielle hinaus. Und merken: Es fehlt, zumindest für eine ganze Weile, an fast nichts Materiellem – und wir gewinnen dafür so viel dazu.

Wie geht es euch damit? Habt ihr in unserer tapferen Zwischenwelt etwas dazugewonnen? Erzählt mal, ich bin gespannt.Ob dieser Effekt wohl anhalten wird, wenn die Krise überstanden ist?

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Mittwoch, 01.04.2020

24/7 Kids. Ganz kurz bleibe ich noch bei Huxley. Denn unsere tapfere neue Welt lässt uns auch in einem ganz anderen Bereich das Gegenstück zu seiner düsteren Gesellschaftsvision üben:

Das Leben als Vollzeiteltern.

Ja. Während in Huxleys Roman die Elternschaft staatlich geregelt komplett ad acta gelegt wird, macht unser Staat genau das Gegenteil. Vorbei das eingetaktete Kinder-Betreuungs-und-Bildungs-Modell, das sicherstellt, dass auch Eltern unser in die Jahre gekommenes Wirtschaftswunder am Laufen halten.Plötzlich sehen wir uns vor eine ganz andere Aufgabe gestellt: Vollzeit für die Kids da zu sein. Und es könnte so schön sein: Morgens gemeinsam ausschlafen, gemütlich frühstücken, Schulaufgaben der Größeren betreuen, während wir gemeinsam mit unseren ganz Kleinen Katzen malen. Mittagsschlaf machen, dann Kräuter und Hornveilchen auf dem Balkon einpflanzen und den Sonnenschein in der kühlen Frühlingsluft genießen, bevor wir – nach einem gemeinsamen Abend-Picknick auf dem Wohnzimmerboden – alle ins weiche Bett fallen und zufrieden lächelnd einschlafen.Wie, das ist bei euch nicht so? Bei uns auch nicht! Denn neben unserem neuen Job als Vollzeiteltern haben wir auch plötzlich die Rolle des Lehrers inne, des Erziehers und natürlich der Spielkameraden, die so sehr fehlen. Gleichzeitig dreht sich unsere verrückte neue Welt weiter, denn, oha, da war ja noch etwas, so viele von uns müssen ja trotzdem noch arbeiten, denn auch die Wirtschaft möchte nicht in vollem Galopp in die Rezession sprinten. Sei es im Wechsel mit dem Partner im Büro, oder beide gleichzeitig im Homeoffice – das Chaos ist vorprogrammiert.

Und jetzt kommt der beruhigende Teil: Es geht allen so! Und so merken wir: Es muss nicht alles perfekt laufen. Die Kids sind 24/7 da und das in jedem Familien-Homeoffice und ja, sie alle brüllen lautstark „Mamaaaa!“ oder „Papaaaa!“ ins geschäftliche Telefonat.Aber am anderen Ende der Leitung tritt kein betretenes Schweigen ein, kein unterschwelliges „Haben Sie denn während der Arbeitszeit keine Betreuung für ihr Kind?“ Nein! Statt dessen: Verständnisvolles Lachen: „Ach, geht es Ihnen auch so?“ Sogar von Nicht-Eltern: „Hach, das ist ja wirklich wie im Fernsehen berichtet, mit den Kids im Homeoffice, gell.“ Oh ja, das ist es. Und noch krasser.

Aber hey – das ist auch das Schöne an dieser verrückten Zwischenwelt. Wir können uns recht ungeniert in den neuen Rollen zurechtfinden, die uns da über Nacht zuteil wurden. Bye bye Perfektionismus. Bye bye bis ins letzte Detail durchgetaktete Tagesplanungs-Jonglage mit Kids und Karriere unter einem Hut. Denn jetzt werden erstmal Kaninchen aus dem Hut gezaubert. Genießt es, dass ihr den Perfektionismus für eine kurze Weile wegzaubern könnt aus eurem Leben. Ja, gebt euer Bestes, für eure Kids, für euch und den Job – aber euer Bestes muss der Welt und euch selbst genügen. Schließlich könnt ihr in Wirklichkeit doch nicht zaubern. Und am Ende des Tages könnt ihr vielleicht wirklich gemeinsam mit euren Kids mit einem zufriedenen Lächeln einschlafen. Einfach nur, weil ihr wisst: Mein Bestes ist genug.

Donnerstag, 02.04.2020

„Warum schreibt sie hier denn grad nix über Rezepte?“ Eine Foodbloggerin, die gerade keine Rezepte veröffentlicht. Ja, vorübergehend: Warum nicht? Denn das, was ich hier mit euch teile, ist vor allem Eines: Das, was mich gerade bewegt.

In unserer alten Welt sind das Montag bis Freitag Mittags die Rezept- und Foodinspirationen, die ich mir an dem Tag für euch ausgedacht habe: Das Essen, das ich den ganzen Vormittag für meine Gäste koche – und wenn wir, du und ich, uns dann virtuell in meiner Mittagspause in meinem Bistro auf einen Teller Mittagessen treffen, dann erzähle ich gerne etwas zu diesem Teller und zu meinen Bistro-Erlebnissen des Tages. Und ja, für alle, die sich das immer schonmal gefragt haben: Meine Teller sind kein vorbereitetes Fotomaterial, sondern echt, jeden Tag das Essen, das ich gerade esse.

Aber jetzt sind die Teller plötzlich weg. Denn jetzt ist Krise – und in der verrückten Zwischenwelt und unserem Leben im Shutdown gibt’s nur noch ToGo-Essen aus dem Fenster in der Box. Ich nehme euch trotzdem unheimlich gerne jeden Tag mit, auf mein Mittagessen, auch wenn’s grad in der ToGo-Box steckt. Während ich esse und wir uns hier austauschen, kreisen meine Gedanken aber gerade nicht um Paleo-LowCarb-Beilagen-Alternativen und vegan-flexitarische Abwandlungen. Denn im Moment passen sich eben nicht meine Rezepte flexibel meinem Leben an. Nee!

Im Moment passt sich mein Leben flexibel an, an die Welt da draußen.

Ein Wirbelsturm der Gedanken und Emotionen, Frühs beim Kochen und Mittags beim Essen genau so. Wie banal wäre es da, jetzt von Schwarzwurzeln und Möhrengrillsticks zu erzählen, wo wir doch gerade alle damit beschäftigt sind, unseren neuen Platz in dieser verrückten Zwischenwelt zu finden?

Gemeinsam schaffen wir das besser – und wenn wir uns zum Gedankenaustausch nicht mehr mit Freunden zum Lunch treffen können, dann treffen wir uns zum Austausch eben hier. Und sortieren gemeinsam unsere Gedanken, fügen sie zusammen, zu einem neuen Ganzen und geben uns so gegenseitig die Kraft, das Coronachaos durchzustehen.

Wenn die ToGo-Box hier verschwunden ist, dann wisst ihr: Es ist geschafft. Der Teller ist wieder da, die Bistros, Cafés und Geschäfte öffnen, das Leben nach dem Shutdown beginnt.

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Wann es wieder so sein wird wie vor Corona? Die Antwort ist so einfach wie einleuchtend: Nie.

Aber das macht nichts. Es wird wieder vieles so sein wie vorher, wir werden uns wieder auf einen echten Teller mit Mittagessen treffen. Aber wir werden anders sein. Nein, es geht nicht darum, dass wir wie Phoenix aus der Asche aufsteigen und durch die Krise die absolute Erkenntnis erlangt, unsere innere Mitte gefunden und nebenbei zwei neue Fremdsprachen gelernt haben werden. Aber die Zeit, die wir gerade zusammen durchstehen, formt uns. Der Gedankenaustausch öffnet uns. Der Rausschmiss aus unserer Komfort-Zone bringt uns dazu, vieles zu überdenken, in die Hand zu nehmen, zu begutachten und neu einzusortieren. Lasst uns das gemeinsam tun, weiterhin auf ein gemeinsames virtuelles Mittagessen. Und wenn’s dann statt Shutdown-Boxen wieder Teller gibt, dann erzähle ich euch auch gerne wieder etwas zu Beilagenalternativen.

Oh ja, und wenn ihr möchtet: So wie jetzt auch gern noch ein bisschen mehr.

Freitag, 03.04.2020

Es gibt in den Medien auch gute Nachrichten. Die Zahl der Einbrüche in Wohnungen ist zurückgegangen. Herrlich! Natürlich sind sie das. Schließlich sind wir ja fast alle Zuhause. Was die Diebe jetzt wohl machen? Kurzarbeit kommt, denke ich, weniger in Frage. Arbeitslosengeld wohl auch eher nicht. „Guten Tag, ja, haben Sie denn die letzten 12 Monate in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt? Nicht? Schade!“, das wäre ein kurzer Gang zum Amt.

Erntehelfer werden wäre doch die optimale Lösung. Vorübergehend. Bis wir alle wieder schön zur Arbeit gehen und Abends ins Restaurant – und vielleicht aus Versehen die Balkontür nicht richtig schließen.

Tatsächlich ist das mit den Erntehelfern ein großes Problem. Die Grenzen wurden wegen Corona dicht gemacht, die ausländischen Erntehelfer fehlen. Aber die Ernte kann nicht warten. Händeringend wird innerhalb Deutschlands nach Freiwilligen gesucht und kaum einer meldet sich. Da fallen mir spontan auch die 23 % der Thüringer Bevölkerung ein, die es sich doch von Herzen gewünscht hatten, dass die Grenzen dicht sind. Der Wunsch wurde erfüllt. Die vielen Arbeitsplätze, die angeblich weggeschnappt würden: Da sind sie! Bitte zugreifen. Wenn nur die Hälfte aller Thüringer, die rechte Strömungen gewählt haben (und sich vielleicht zur Zeit in Kurzarbeit oder arbeitslos zu Hause befinden) mit anpacken würde: Ja, dann wären das über 245.000 Menschen. Da lässt sich auf Thüringer Äckern ordentlich Ernte einbringen, oder?

Wie, so war das nicht gemeint? „Also, ähh ja, grad‘ erst den Netflix-Account optimal eingerichtet und Bierchen geöffnet, also Erntedings, sorry, ist nicht so meins.“ Dann doch lieber die Grenzen öffnen, ja? Tatsächlich passiert gerade genau das – weil es schlicht anders nicht geht. Es haben sich so wenige Erntehelfer innerhalb Deutschlands gemeldet, dass nun doch Erntehelfer aus dem Ausland – unter strengen gesundheitlichen Auflagen – mit dem Flugzeug nach Deutschland eingeflogen werden müssen. Und der ein oder andere unter den 23 % wird es ihnen vielleicht sogar danken, während er den guten Spargel aus Thüringer Ernte vorm Netflix-Heimkino sitzend in die Sauce tunkt.

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Montag, 06.04.2020

Bußgeldkatalog. Ein nicht ungefährliches Instrument. Denn die Stimmung könnte kippen. Während über 80 % bisher einverstanden waren, mit der staatlichen Beschränkung ihrer Freiheitsrechte, spüre ich beim Thema Corona-Bußgeldkatalog:

Hier kommt etwas ins Wanken.

Und ich glaube, das hat viel mit beiderseitigem Vertrauen zu tun. Vertrauen des Bürgers in die dringend notwendigen Entscheidungen des Staates zum solidarischen Schutz aller. Und Vertrauen des Staates in die Vernunft und Solidarität des Bürgers.

Das Instrument Bußgeldkatalog hat aber eine Message an uns: Wir vertrauen euch nicht. Ja, der Staat kommuniziert eindeutig: Ohne Bußgeldkatalog bekommt ihr das nicht hin. Und an diesem Punkt kippt unser schönes Vertrauensverhältnis.

Machtinstrumente fördern nun einmal nicht die Freiwilligkeit.

Da nur einzelne Bürger im Gegensatz zur erstaunlich hohen Mehrheit uneinsichtig waren, wird das Ordnungsamt nun also mit dem Machtinstrument Bußgeldkatalog ausstaffiert. Einzelne Bürger, nämlich die des Ordnungsamtes, spazieren somit durch die Stadt und entscheiden:

„So, sie da, Banane vor’m Supermarkt gegessen? 150,- Euro bitte.“

„Ha, ihr Kind hat sein Eis noch an der Türschwelle der Eisdiele abgeleckt? 150,- Euro bitte.“

„ToGo-Kaffee auf der 5 Meter vom Lieblingscafé entfernten Sitzbank geschlürft?“ Naja, ihr wisst schon, Zahlen bitte.

Besonders interessant wird’s in Ballungsgebieten, wie der Innenstadt, wo sich teilweise ToGo-Verkauf an ToGo-Verkauf reiht und sich der 10 Meter-Umkreis in eine halber Kilometer lange Setz-dich-bloß-nicht-hin-Minen-Zone verwandelt. Sorry, da vertraue ich nicht auf das wohlüberlegte Fingerspitzengefühl einzelner, in der aktuellen Situation völlig unerfahrener, Ordnungsbeamten. Einzelnen Menschen solche Machtinstrumente zur Unterdrückung von Verhaltensweisen in die Hand zu geben, die bisher völlig alltäglich und positiv besetzt waren? Ein gefährlicher Schritt. Ich werde beobachten, was passiert. Was denkt ihr dazu?

Nachtrag 07.04.2020 – Memo an mich selbst:

Der Spaziergang heute hat mir gezeigt, dass doch sehr viele Menschen ihre persönliche Freiheit eher über ein kühles Bierchen am Biergarten-Stehtisch definieren als über die Ansprache auf Augenhöhe ohne Bußgeldkatalog.

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Dienstag, 07.04.2020

Wir sehnen uns nach guten Nachrichten. Nach alldem, das unserer verrückten Zwischenwelt noch mehr Sinn und etwas Optimismus verleiht.

Wie wäre es mit der Natur? Erholt sie sich wirklich?

Es wäre so schön gewesen, wenn die Meldung von Delfinen im plötzlich kristallklaren Wasser Venedigs wahr gewesen wären. Aber, sorry, jetzt müsst ihr stark sein: Die Venedig-Delfine sind ebenso wie der Berlin-Delfin im photoshopoptimierten türkisblauen Wasser der Spree leider nur Eines:

Fake-News.

Nur, dass wir bei Letzterem gleich wussten, dass wir jetzt lachen dürfen. Und beim Venedig-Delfin hingegen so gerne daran geglaubt hätten. Zu groß ist die Sehnsucht nach guten Nachrichten. Ja, das Wasser in Venedig wirkt klarer, aber einfach deshalb, weil alle Schwebstoffe gerade auf den Boden absacken, wenn weniger Wasserverkehr herrscht. In der Lagune vor Venedig gibt’s tatsächlich ab und zu Delfine – aber das war schon immer so. Und der berühmte Delfin im Video? Schwimmt in Sardinien und das liegt bekanntermaßen nicht in Venedig. Schade.

Aber ich gebe nicht auf, bei der Suche nach Good-News. Zwischenzeitlich sorgen sich Umweltschützer um unsere heimischen Stadtvögel – und tatsächlich: Während ich noch den Beitrag lese, flattern mehrere Stadttauben auf unseren Hinterhof, wo ich sie noch nie gesichtet habe. Sie suchen nach Nahrung – und finden wenig, weil wir gerade zuhause bleiben anstatt in der Stadt herumzukrümeln. Aber auch wenn die Bitte der Naturschützer, das Taubenfütterungsverbot vorübergehend auszusetzen, abgelehnt wurde: Ihre Rettung naht in Form von Sonnenschein und Eisdielen. Denn diese dürfen, nach vorübergehendem Verbot von wenigen Tagen, doch im Straßenverkauf öffnen. Und erfreuen Spaziergänger, Tauben und Spatzen gleichermaßen. Vorausgesetzt ihr holt euch Eis in der Waffel und krümelt wieder ordentlich die Stadt voll. Unterstützt vom neuen Bußgeldkatalog, denn im Laufen krümelt es sich bekanntlich besser durch die Straßen.

Unterdessen möchte der Erfurter egapark den Menschen eine Freude machen und für Good-News aus der Natur sorgen: Liebevoll verzierten die Gärtner gestern den Domplatz mit dem Schriftzug „Blumenstadt Erfurt“, bestehend aus tausenden bunter Hornveilchen. Und ab dem 20. April dürfen die Blümchen sogar als Geschenk mitgenommen werden. Eine ganz zauberhafte Geste – nur dass so viele sich den 20. April gar nicht schnell genug herbeisehnen konnten und einfach schon alle Hornveilchen mitgenommen haben. Nein, das ist kein Aprilscherz. Ernsthaft.

Also war’s das jetzt mit positiven Natur-Nachrichten? Nein, denn ein Effekt ist unbestreitbar: Die Luft erholt sich. In Venedig genau so wie in unserer Stadt wie auch weltweit. Weil kaum Flugzeuge fliegen, weil unsere Autos vermehrt stehen bleiben. Wir entdecken Videokonferenzen statt Geschäftsreisen, die Schönheit der heimischen Umgebung statt Gran Canaria. Unser CO2-Fußabruck verbessert sich merklich, während wir zu Hause bleiben. Mittelfristig wird sich unser zwangsläufig reduziertes Konsumverhalten auch auf die Produktion auswirken – am Ende rücken vielleicht sogar Klimaziele ganz unverhofft in greifbare Nähe. Was der Wirtschaft zunächst sicher gar nicht gefällt, ist vielleicht der erste Schritt weg aus unserer ressourcenverschwenderischen Überfluss-Wegwerfgesellschaft.

Wenn wir wirklich schlau sind, dann nehmen wir aus der Zeit der Krise viel mehr Gutes mit als die Nachricht von Delfinen und kostenlose Hornveilchen. Vielleicht schaffen wir es tatsächlich, unser Reise- und Konsumverhalten auch nach der Krise zu ändern. Die Wirtschaft wird sich dann deutlich anpassen müssen, aber so viel Kraft und Erfindungsreichtum traue ich ihr zu, im Aufschwung, der nach der unabwendbaren Rezession winkt.

Wenn wir jetzt die richtigen Denkanstöße für uns mitnehmen und nachhaltig etwas verbessern können – das wären dann wirklich die guten Nachrichten, nach denen wir uns so sehr sehnen.

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Mittwoch, 08.04.2020

Was darf’s sein? Wollt ihr ein „U“ kaufen? Oder lieber ein „V“?

Nein, wir sind grad‘ nicht in der Sesamstraße. Sondern mitten im Beginn einer Rezession. Ich weiß nicht, wie es euch damit geht, aber mir hilft es immer, das Damoklesschwert, das gerade über mir schwebt, etwas genauer anzuschauen, um ihm seine bedrohliche Schärfe zu nehmen.

Überraschend kommt sie nicht, diese Rezession, Wirtschaftsexperten hatten ihren Beginn schon im letzten Jahr diagnostiziert, lange bevor Corona ein Thema war. Die Prognose damals ging eher Richtung U. Was das heißt? Während unserem in die Jahre gekommenen Wirtschaftswunder langsam die Puste ausging, hielt unser Konsumverhalten das Ganze noch prima am Laufen. Genährt durch die guten zurückliegenden Jahre hatten viele gerade erst ihre Gehaltserhöhung bekommen. Die EZB steuerte unser Konsumverhalten begleitend durch Niedrigzinspolitik, damit Geld ausgegeben wird, anstatt es anzusparen. Ein verfrühter Schritt, denn jetzt geht auch der EZB die Puste aus, ihr Pulver zur Steuerung des Konsumverhaltens ist schlicht bereits verschossen.

Corona verwandelt das U nun in ein V, die Rezession wird schneller und tiefgreifender, als gedacht. #flattenthecurve für’s Gesundheitswesen hat aus wirtschaftlicher Sicht also den gegenteiligen Effekt, auf dem Buchstabenbasar der Sesamstraße tauschen wir also das eine gegen das andere aus (nur eben umgedreht).

Ich bin kein Wirtschaftsexperte und kann nicht sagen, ob kurz und schmerzvoll besser ist als langsam vor sich dahinsiechend Aber eines weiß ich: Die Kurven der letzten Jahrzehnte haben gezeigt: Wir brauchen offensichtlich die Rezession, um auch wieder in einen gesunden Aufschwung zu finden.

Warum höher, schneller, weiter nicht unendlich funktioniert?

Weil wir Menschen sind und Fehler machen. Unvorsichtig werden. Ressourcen, Umwelt, Natur und die schier unendlich wirkenden Möglichkeiten unserer globalisierten Welt überstrapazieren. Dass dieser Virus unsere Welt nun für eine V-Länge zum Erliegen bringt, hat auch viel mit menschlichem Verhalten zu tun. Mit Reduzierung der Biodiversität, in Kauf nehmen von Artensterben, Massentierhaltung, Viehmärkten unter lebensunwürdigen Bedingungen.

Mit alldem liefern wir den Nährboden für eine Pandemie wie diese, haltlos verbreitet durch die globalisiert per Flugzeug vernetzte Welt. Natürlich ist es Zufall, was da geschehen ist, ich bin kein Freund von Verschwörungstheorien. Aber dass wir optimale Bedingungen für eine Pandemie wie diese geschaffen haben, ist unbestreitbar. Die Rezession gibt uns die Möglichkeit, unser Handeln neu zu bewerten, Schlussfolgerungen zu ziehen. Marktbereinigung nennen es die einen, wirtschaftliches Handeln auf nachhaltig gesunde Beine zu stellen die anderen.
Da sitzen wir nun und schauen dem tiefen V ins karge Tal. Aber wisst ihr, was das schöne an einem V ist? Das Tal ist verdammt kurz. Und danach folgt ein steiler Aufstieg, am Anfang vielleicht etwas beschwerlich, aber wir können jetzt die Puste finden, um da zügig wieder hochzukommen.

Und wer weiß, wenn wir uns mit dem richtigen Gepäck auf den Weg machen, und alles im Tal da unten an schadendem Ballast abwerfen, erreichen wir sogar den Pfad zum nachhaltig währenden schönen Hochplateau. Dann können wir die Vs und Us unserer Welt für eine ganze Weile da lassen, wo wir sie am liebsten sehen: In der Trenchcoat-Innentasche des Sesamstraßen-Muppets.

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t.b.c.

Jeder Tag bringt neue Änderungen mit sich. Ich melde mich Montag bis Freitag mit einem Update und freue mich auf euren virtuellen Besuch. Ich wünsche euch viel Kraft und Gesundheit in dieser schweren Zeit. Haltet die Ohren steif.