Kitchenstories: Ich bin dann mal das Klima retten.

Perfekt gibt es nicht. Das gilt auch für das nachhaltige, klimaschonende Einkaufen und Kochen. Und gerade deshalb denke ich mir einfach jeden Tag: Jedes bisschen hilft, auch wenn es nicht immer perfekt klappt.

Iss dich glücklich – spannende Food-Facts mit Live-Cooking

Iss dich glücklich on Tour: Um euch an praktischen Beispielen zu zeigen, wie einfach ihr mit den simpelsten Ideen euren persönlichen Beitrag zum Klimaschutz leisten könnt, bin ich mit Iss dich glücklich on Tour und zeige euch im Klima-Pavillon des Thüringer Umweltministeriums kleine Ideen, die vielleicht zu großen Denkanstößen werden können – mit Rezeptideen, Live-Cooking und Verkostung. Für alle, die sich gerne persönlich mit mir austauschen wollen: Am 14. September bin ich ab 17 Uhr wieder im Klima-Pavillon in Jena. Foto: Hannsjörg Schumann

Mit diesen 7 Kleinigkeiten könnt ihr nachhaltiges Handeln ganz einfach in euren Alltag integrieren. Immer wieder ein bisschen mehr:

Kaufentscheidungen

Was glaubt ihr, wer in der freien Marktwirtschaft den größten Einfluss hat? Politiker? Lobbyisten? Nein! Es ist schlicht und ergreifend der Konsument. Sprich: Wir.

Macht euch das immer wieder bewusst, wenn ihr vor Kaufentscheidungen steht. Kaufe ich die Eier aus Bodenhaltung? Oder investiere ich ein paar Cent mehr und wähle die Packung aus Freiland- oder, noch besser, aus Bio-Haltung? Kleine Kaufentscheidungen können in der Masse große Wirkung haben. Denn mit dieser beispielhaften Frage stehen wir nicht alleine vor dem Supermarktregal, sondern wöchentlich geschätzt rund 40 Millionen in Deutschland mit uns. Und diese 40 Millionen haben mit ihren Kaufentscheidungen einen ganz schön großen Einfluss darauf, was mittel- und langfristig in unseren Läden angeboten wird.

Iss dich glücklich – spannende Food-Facts mit Live-Cooking

Iss dich glücklich – spannende Food-Facts mit Live-Cooking / Peckham’s / Vortrag der Erfurter Köchin und Kochbuchautorin Karina Both-Peckham / Ernährungstipps, Infos über saisonale Zutaten, Tipps zum nachhaltigen Einkaufen und Kochen. 02.06.2019 / Jena / Foto: Hannsjörg Schumann

Regional & Saisonal

Was gibt‘s Schöneres, als frisches, saisonales Gemüse direkt aus der heimischen Region zu kaufen? Das Überangebot in Supermarktregalen hat dazu geführt, dass viele bereits vergessen haben, welches Gemüse eigentlich wann Saison hat.

Mir dieses Wissen wieder anzueignen hat mir in den letzten Jahren nicht nur große Freude gemacht, sondern nützt auch der Umwelt mit kurzen Transportwegen und idealerweise schonenden Anbaumethoden – am besten ungespritzt und aus Bio-Anbau.

Meinen ganz persönlichen Saison-Kalender findet ihr hier.

Weniger Fleisch

Auch wenn ich dafür brenne, Rezepte zu entwickeln, die für alle passen, und damit auch für Vegetarier und Veganer die passenden Zutaten bereit halten: Ich persönlich esse gerne Fleisch. Und damit bin ich nicht alleine. Aber: Es muss wirklich nicht täglich sein. Das tut unserem Körper nicht gut. Und der Umwelt und unserem Klima auch nicht.

Denn der massenhafte Fleischkonsum ist nur durch Massentierhaltung zu decken. Mit allen Negativ-Effekten, die die Massentierhaltung mit sich bringt: Schlechte Lebensbedingungen für die Tiere und ein unfassbar hoher Co2-Fußabdruck inklusive.

Eine Lösung ist Fleisch aus artgerechter Tierhaltung, am besten Bio. Diese Form der Tierhaltung kann und will aber nicht einen täglichen, massenhaften Fleischkonsum decken. Die Tiere brauchen Platz, Zeit, gutes Futter und Pflege – damit wird ihr Fleisch wieder zu dem, was es Früher immer schon war: Zu etwas Besonderem, das man wertschätzen sollte. Und nicht tagtäglich nebenbei verzehren, ohne darüber nachzudenken, woher es kommt. Das machen die Naturvölker seit jeher so. Und auch bei uns in Europa gab‘ es bis vor Kurzem noch den Sonntagsbraten, auf den sich alle gefreut haben und nicht täglich Fleisch.

Mit guten vegetarischen oder veganen Rezepten ist es überhaupt kein Problem, selbst für Fleisch-Liebhaber, nur zwei Mal die Woche Fleisch und ein Mal die Woche Fisch zu essen. Das klappt in unserem Café besser als jeder Veggie-Day: Wir bieten jeden Tag unser Essen als vegetarische Basis-Version an und das Fleisch kann man sich dazubestellen, am Besten gleich aus Bio-Haltung. Bereits nach wenigen Wochen waren unsere Café-Gäste davon überzeugt, dass das vegetarische Hauptgericht überhaupt kein Fleisch braucht, um gut zu schmecken. Der Fleisch-Konsum in unserem Café ist binnen kürzester Zeit von 80 % auf rund 30 % gesunken.

Naturstrom

Ohne Strom geht sowohl zu Hause in der Küche als auch in unserem Café beim Kochen nichts. Von Kühlung bis Ofen und Herd sind wir heutzutage im Alltag auf Strom angewiesen. Wir können aber entscheiden, woher dieser Strom stammt.

Wir beziehen deshalb seit 11 Jahren Ökostrom aus erneuerbaren Ressourcen. Sowohl privat als auch in unseren Geschäftsräumen. Private Haushalte können in der Masse viel dazu beitragen, dass vor allem Ökostrom in den Energie-Pool eingespeist wird. Das mag vielleicht ein wenig teurer sein – aber nur auf den ersten Blick: Denn langfristig betrachtet ist der Preis, den wir für die Stromgewinnung aus Braunkohle bezahlen, sehr viel höher.

Und: Fragt doch mal bei eurer Schule nach, bei Behörden, Verwaltungen – aktuell scheint der Strompreis gerade bei öffentlichen Institutionen noch das ausschlaggebende Argument bei der Wahl des Stromanbieters zu sein. Wenn das Bewusstsein durch verstärkte Nachfragen der Bevölkerung erhöht wird, können wir auch hier einen Beitrag dazu leisten, dass verstärkt auf Ökostrom gesetzt wird.

Verpackungsarm

Ganz romantisch klappt verpackungsarmes Einkaufen mit dem guten alten Weidenkörbchen. Als besonders praktische Helfer haben sich aber bei unserem täglichen Einkauf unser geliebter Einkaufsroller und zusammenfaltbare Mehrwegeinkaufsbeutel erwiesen, die in jeder Jackentasche Platz finden.

Traut euch, im Supermarkt bewusst auf die Gemüsetüten zu verzichten und bittet auf dem Wochenmarkt ebenso darum, die Plastiktüten doch einfach wegzulassen. Vielleicht gibt es in eurer Nähe auch einen verpackungsfreien Laden mit Schütten für Getreide, Hülsenfrüchte, Nüsse & Co., haltet einfach mal Ausschau.

Autofrei

Der Firmenwagen für unser Café ist ein Einkaufsroller. Das klappt zumindest in der Stadt fantastisch. Tag für Tag kaufen wir alles zu Fuß und mit dem öffentlichen Nahverkehr mit unserem Einkaufsroller ein – und das für 60 Personen. Das erfüllt uns mit Stolz und hatte ganz nebenbei den Effekt, dass wir liebevoll geführte Läden und Marktstände entdeckt und Menschen kennengelernt haben, die unsere Leidenschaft für Lebensmittel teilen.

Probiert es mal aus. Gibt es in eurer Nähe vielleicht kleine Läden, die ihr noch nie besucht habt, weil euch der Großeinkauf mit dem Auto einfacher erschien? Es gibt in unserer unmittelbaren Umgebung oft mehr zu entdecken, als wir uns im Alltagstrott bewusst machen.

Foodsaver

Wer öfter in unserem Café isst, weiß, dass wir an manchen Tagen schnell ausverkauft sind. Und das ist Absicht. Denn wir kochen nur so viel, wie wir mit großer Sicherheit verkaufen, damit nichts übrig bleibt und wir keine wertvollen Lebensmittel verschwenden. Und falls doch mal ein wenig übrig ist, kommen bei uns zertifizierte
Foodsaver der Food-Sharing-Community vorbei und sorgen dafür, dass die Lebensmittel an Vereine und Privatpersonen gespendet werden. Findet ihr spannend? Hier erfahrt ihr mehr über das Projekt: http://www.foodsharing.de

Hier hört der Foodsaving-Gedanke aber noch lange nicht auf: Schaut mal in euren eigenen Kühlschrank zu Hause. Steht da vielleicht ein geschlossener Joghurt, der gestern abgelaufen ist? Oder eine Saure Sahne? Schmeißt es nicht weg.  Das Mindesthaltbarkeitsdatum bedeutet nicht: Giftig ab! Sondern, dass es MINDESTENS bis zu diesem Datum haltbar ist. Und meist auch noch viele Tage darauf. Vertraut wieder mehr auf eure eigenen Sinne. Riecht am Joghurt, probiert ein bisschen. Wenn er noch gut schmeckt, dann ist er einen Tag nach Ablauf des Datums auch sicher noch gut und muss nicht in die Tonne.

Macht ihr mit? Prima, dann lasst uns zusammen mal das Klima retten.

 

Fotos: Hannsjörg Schumann/Grafides